Der Besteck Guide: Drei Gabeln für die Haute Cuisine

Der Besteck Guide: Drei Gabeln für die Haute Cuisine

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Die hohe Kunst der Tischkultur hat schon so manchen Gourmet ins Schwitzen gebracht, wenn er sich unversehens bei einem hohen gesellschaftlichen Anlass wiederfand. Wissen Sie denn aus dem Stegreif, wann der richtige Moment für die dritte Gabel gekommen ist? Entspannen Sie sich: Das und mehr erfahren Sie in unserem Besteck-Guide für den kultivierten Genießer.

Gäste zu bewirten gehört zu den schönsten Dingen im Leben. Gut kochen ist das eine, und zugegeben auch das wichtigste. Zum stimmigen Ambiente beim Essen gehört aber auch eine schöne Tischkultur. Wer sich hier an die ungeschriebenen Regeln der gehobenen Gastronomie halten möchte, kann bei einem Gedeck mit einem guten Dutzend Teilen leicht ins Schwitzen kommen. Unser Besteck-Guide bringt für Gäste und Gastgeber Licht ins Dunkel.

Zunächst eine wichtige Grundregel: Lassen Sie sich als Gastgeber von der Etikette nicht den Spaß verderben! Natürlich gibt es Formen bei Tisch, die sich sinnvoll entwickelt haben und ihre Berechtigung haben. Wer häufig in gehobener Gesellschaft und auf offiziellen Anlässen verkehrt, sollte mit den Grundregeln frei nach Knigge vertraut sein. Doch ein authentisches und sicheres Auftreten ist auch in der feinen Gesellschaft allemal wichtiger, als genaue Kenntnis über die Position der Hummerzange.

Als Gastgeber haben Sie den Anlass in der Hand. Und es obliegt zuallererst Ihrer Entscheidung, ob der Abend eher zwanglos oder in möglichst perfekter Form stattfinden soll. Doch auch, wenn Sie sich lieber zwanglos geben, ist es ein sehr schönes Gefühl, die strenge Form bei Tisch zu kennen und sie dann bewusst frei zu variieren. Das entspricht übrigens jener Freiheit und Selbstsicherheit, die der besagte Freiherr von Knigge jedermann im Umgang mit der gebildeten Oberschicht zugänglich machen wollte.

Kultiviert speist sich von außen nach innen

Das klassische Gedeck für einen Gang birgt zunächst wenig Geheimnisse. Teller in der Mitte. Messer rechts, Gabel links. Oben mittig vielleicht noch ein Dessertlöffel oder die Kuchengabel und oben rechts Wein- oder Wasserglas. Das ist auch die Basis für alle größeren Gedecke. Und mit diesem Gedanken vor Augen wird das scheinbare Gewirr aus Gabeln, Tellern und Gläsern auch ganz leicht verständlich.

Die Mitte vor jedem Gast kann frei bleiben oder durch einen großen Platzteller gestaltet sein. Der dient bei mehreren Gängen aber nicht als Essgeschirr, sondern als stilvolle Unterlage für die einzelnen Gedecke.

Zwilling-BestecksetFür eine ausgedehnte Mahlzeit werden nun von Anfang an die Bestecke für bis zu vier Gänge eingedeckt. Je früher der Gang, desto weiter außen das Besteck. Wenn wie bei einer Suppe nur ein Besteckteil nötig ist, liegt es auf der rechten Seite. Will heißen, als Gast benutzen Sie pro Gang einfach immer ein neues Besteck. Und zwar immer dasjenige, das gerade am weitesten außen liegt. Die anderen dürfen Sie zunächst ignorieren oder mit Vorfreude darüber spekulieren, wofür die wohl noch zum Einsatz kommen sollen. Benutztes Besteck kann beim Ende eines Ganges auf dem Teller abgelegt werden und wird gemeinsam damit abgedeckt.

Das große Gedeck nach allen Regeln der Kunst

Hier ein Beispiel für ein komplettes Gedeck zu einem Menü á la carte mit vier Gängen. Zu Beginn steht vor jedem Gast der große Platzteller, auf dem die Serviette drapiert ist. Rechts liegen von außen nach innen in diesem Fall ein Fleischmesser, ein kleiner Löffel, ein Fischmesser und wieder ein Fleischmesser. Links liegen drei Gabeln. Oben liegen Dessertlöffel und Dessertgabel. Weißwein-, Rotwein- und Wasserglas sind oben rechts ebenfalls eingedeckt. Links vorn kann dazu noch ein kleiner Brotteller mit einem zusätzlichen, kleinen Brotmesser stehen.

Der erfahrene Gourmet kann hier schon ablesen, was ihn ungefähr erwartet: Zunächst wird als erster Gang eine kalte Vorspeise mit Fleisch serviert. Das erste Fleischmesser und die erste Gabel werden nun abgedeckt. Der zweite Gang muss eine Suppe in der Terrine sein. Käme die Vorsuppe im Teller auf den Tisch, wäre ein großer Löffel eingedeckt. Die warme Vorspeise im dritten Gang ist selbstverständlich Fisch und das Fischmesser erhält gemeinsam mit der zweiten Gabel seine Bestimmung. Das verbliebene Fleischmesser und die dritte Gabel sind schließlich für den Hauptgang bestimmt. Fehlt schließlich nur noch das Dessert.

Wäre das Menü mit fünf Gängen, dann sähe das Gedeck genau gleich aus. Der erfahrene Kellner legt auch bei ausgiebigen Mahlzeiten mit fünf und mehr Gänge nie mehr als drei Gabeln links und vier Messer und Löffel rechts auf. Weitere Stücke werden mit dem jeweiligen Gang zusätzlich eingedeckt.

Das feine Besteck für jede Gelegenheit

WMF_Steak-SetUm für ein Menü mit bis zu vier Gängen gerüstet zu sein, benötigt der Gastgeber bis zu vier Gabeln und Fleischmesser und zwei Suppenlöffel. Dazu Dessertbesteck, Fischmesser und jeweiliges Spezialbesteck für Steak, Hummer, Austern, Schnecken, Fondue etc. entsprechend der Anzahl der erwarteten Gäste. Kleinere Brotmesser sind eine schöne Zugabe.

Es versteht sich von selbst, dass für eine klassische Tafel nur verwandte Stücke aus einem Besteck-Set Verwendung finden. Je nach Gästeanzahl muss also ein ausreichend großes Besteckset zur Verfügung stehen.

Überlegen Sie zweimal, bevor Sie sich für ein deutlich rustikales oder avantgardistisches Design entscheiden. Wer häufig Gäste bewirtet und gern den Regeln der gehobenen Gastronomie entsprechend eindecken möchte, tut gut daran, das große Standardset in einem dezenten, vielseitigen Design zu wählen. So passt die gute Besteck-Garnitur mit Sicherheit gut zu allen kommenden Gelegenheiten.

Bewirten Sie Ihre Gäste zu großen Anlässen nach allen Regeln der Haute Cuisine. Und lassen Sie die festgeschriebenen Manieren bei zwanglosen Abendessen auch mal links liegen. Wir wünschen guten Appetit!

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