Deko-Überblick für das 20. und 21. Jahrhundert

Deko-Überblick für das 20. und 21. Jahrhundert

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Ob wir eine Lavalampe aufstellen oder einen röhrenden Hirsch an der Wand platzieren, ob wir Nippes sammeln oder den ganzen Tand auf den Müll schmeißen, hängt stark vom Zeitgeist einer Epoche ab und natürlich vom persönlichen Geschmack. Nicht jeder folgt jedem Trend und heute ist das auch gar nicht mehr nötig, denn Individualität wird großgeschrieben. Wie aber sah es in den vergangenen Jahrzehnten aus? Mit welchen Dingen umgaben sich die Menschen? Wir werfen einen Blick auf die kunterbunte Einrichtungsgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts.

Beginn des 20. Jahrhunderts

Mit der Industrialisierung begann bereits Mitte des 19. Jahrhunderts die massenhafte Fertigung von Möbelstücken. Und während die Hersteller vor Technisierungseifer nur so sprühten, blieb die Kreativität zwischen den Zahnrädern stecken. Es begann die Zeit des Historismus, der freizügig alles kopierte und kombinierte, was die Kunstgeschichte hergab. Ägyptisch und antik, orientalisch und asiatisch – erlaubt war, was Eindruck machte. Das Ergebnis waren ausladende Möbelstücke, üppig versehen mit Säulen und Medusenköpfen, Plüsch- und Samt. Deko-Element des Historismus: Opulent verzierter Traubenpokal.

10er Jahre

Währen der Historismus langsam abebbte, entwickelte sich eine neue, moderne Stilrichtung: Der florale, feminine Jugendstil des frühen 20. Jahrhunderts. Geschwungene Linien, Ornamente, stilisierte Ranken und Blumenmotive kennzeichnen den Stil, der einen Kontrapunkt zu industriell gefertigten Möbeln setzen wollte. Jedes Stück wurde aus hochwertigen Materialien von Hand gearbeitet. Neben Mahagoni, Eiche, Nussbaum und Birne fanden bunte Glasmosaike und verzierte Metallbeschläge ihren Einsatz. Beliebtes Deko-Element waren große Drucke, die Frauengestalten in fließenden Kleidern zeigten.

Jugendstil - Gedeck

20er Jahre

Ornamental blieben auch zwanziger Jahre im Art Deco-Stil. Eine Strömung aus Frankreich, die viele Elemente aus dem Jugendstil übernahm, sie aber strenger und geometrischer interpretierte. Symmetrisch lautete das Credo für Muster, egal ob auf Tapeten oder als Bodenmosaik. Starke Kontraste – gerne Schwarz und Weiß mit goldenen Akzenten, hielten Einzug in die Salons, die mit luxuriös glänzenden Materialien wie Bronze, Ebenholz, Elfenbein oder Kristall ausgestattet wurden. Deko-Element des Art Deco: Buchstützen aus Marmor mit schmiedeeisernen Raubtier-Darstellungen.

Zwanziger Jahre

30er Jahre

Weg mit all der Zierde, hieß es in den dreißiger Jahren, als die Bauhaus-Strömung aufkam. Mit Glas, Chrom und Stahl kreierten die Designer einen völlig neuen Stil, der keinen größeren Gegensatz zum bisher Dagewesenen hätte bieten können. Stuck und Kronleuchter, Vorhänge und Tischdeckchen hatten im Bauhaus-Universum ausgedient. Stattdessen war alles quadratisch, schnörkellos und modern. Es ist die Stunde des Stahlrohrsessels, der in der minimalistischen Einrichtung einen herausragenden Platz einnahm. Deko-Trend des Bauhausstils: die Bürolampe 6556 von Christian Dell.

40er Jahre

Ob die Zeit noch nicht reif war? Im normalen Haushalt, kam der Bauhausstil kaum an. Gemütlich, bieder und solide – so lässt sich der Einrichtungsstil der vierziger Jahre beschreiben. Dunkle, schwere Holzmöbel gaben den Ton an. Meist handgearbeitet, in guter Qualität, wurden sie fürs ganze Leben gefertigt. In der Küche nahm das Buffet einen Ehrenplatz ein. Dekorative Schubfächer aus Glas und Keramik beherbergten Mehl, Zucker und Salz. In der guten Stube thronten samtig-rote Ohrensessel neben der geblümten Couch. Zweckbestimmt und haltbar lautete die Maxime zu Kriegszeiten. Deko-Accessoire der 40er Jahre: Bestickte Zierkissen.

50er Jahre

Erst mit den fünfziger Jahren kam eine neue Aufbruchsstimmung. Endlich konnte man sich wieder etwas leisten. Zwei Trends bestimmten diese Dekade: Einerseits erhielten sämtliche Einrichtungsmöbel neue Rundungen. Vom Nierentischchen bis zum Cocktailsessel, huldigte alles dem verspielten Stil. Bunte Farben zeugten vom leichten Lebensgefühl. Daneben erblühte der Gelsenkirchener Barock. Ein Stil, der in den zwanziger Jahren bei wohlhabenderen Arbeitern im Ruhrgebiet aufgekommen war: Protzige Wohnwände mit Eiche rustikal, Nippes und Barockes. Bis heute hat diese Art der Einrichtung in vielen deutschen Wohnungen überdauert. Deko-Trend der 50er: Brokatdeckchen.

60er Jahre

Praktisch und filigran, kugelig und beweglich ging es in den sechziger Jahren zu. Die – oft hängende – Wohnwand bestimmte den Wohnraum, das Sideboard hielt auf schlanken Füßen Einzug. Acryltischchen flankierten Formholzsessel mit styroporgefüllten losen Sitzpolstern. Über allem schwebten Kugelleuchten aus Glas und Chrom. Kunststoffe griffen in knalligen Farben die Pop Art Begeisterung dieser Jahre auf. Während das Wohnzimmer oft nur für Gäste benutzt wurde, ließ die Dunstabzugshaube die Küche zum neuen Mittelpunkt der Wohnung werden. Deko-Trend der 60er: Bunt gestreifte Türvorhänge aus Plastik.

70er Jahre

Welchen Wohnstil kann man von der Hippiegeneration erwarten?! Klar, dass es in den Siebzigern noch mal so richtig unkonventionell wurde. Gelb und grün, lila und braun – der Farbauswahl und -kombination war keine geschmackliche Grenze gesetzt. Zur allgegenwärtigen Lieblingsfarbe wurde pulsierendes Orange, das Schränke, Kugellampen, Drehsessel und Polster überzog und auch vor Haushaltsgeräten und Geschirr nicht haltmachte. Dazu graphische Mustermixe auf Stoffen und Tapeten. Gehäkelte Sofakissen mit bunten Kreisen, Flokatiteppiche und Holzimitat-Möbel gehörten ebenso ins Wohnzimmer, wie das Deko-Objekt der 70er Jahre schlechthin: die Lavalampe.

Siebziger Jahre

80er Jahre

In den achtziger Jahren setzte sich der Trend zu laminierten Sperrholzmöbeln fort. Ansonsten zeichnete sich die Wohnung dieser Jahre durch einen locker-fröhlichen Stilmix aus. Neben der schwarzen Skyline-Schrankwand im Wohnzimmer, standen selbstgebastelte Regale und große Zimmerpflanzen. Star der Einrichtung war die gemütliche Couchlandschaft, die sich auf Fernseher und Hifi-Turm ausrichtete. Pfeffer- und Salztöne dominierten die Einrichtung. Bei der jüngeren Generation schwappte der Modetrend mit Neonfarben und wilden Mustern auf die Einrichtung über. Deko-Trend der 80er Jahre: Fototapete mit karibischen Motiven.

90er Jahre

Mit den neunziger Jahren kam der Abschied von quietschbunten oder schwarzen Wohnelementen. Hell und freundlich sollte die Atmosphäre wirken. Teppiche machten Platz für Laminat, dominante Schrankwände wichen offenen Regalen aus hellem Holz. Knalliges Blau war aus keinem Haushalt mehr wegzudenken. Von der mit Chromgestänge veredelten Couch bis zur Küchenfront, setzte die Farbe überall Akzente. Der Heimcomputer hielt Einzug und sorgte dafür, dass auch die kleinste Wohnung zu einem Arbeitsplatz kam. Deko-Element der 90er Jahre: die Diddle-Tasse.

Das 21. Jahrhundert

Während sich verstaubte Potpourri-Schalen und Setzkästen der achtziger Jahre noch durch die Neunziger retten konnten, hieß es zu Beginn des neuen Jahrtausends, raus mit dem Kram. Die Möbel wurden weiß, dafür pinselte, walzte und wischte man in Eigenregie starke Farben auf Raufaserwände. Die Küche verschmolz mit dem Wohnbereich und zeigte sich glänzend und glatt. Wohnen auf hohem technischen Niveau sollte das Leben erleichtern. Passender Deko-Trend: Deko lieber weglassen.

Dem Hochmodernen setzte sich nach und nach ein Trend entgegen, der heute immer noch an Fahrt aufnimmt. Unter dem Motto Vintage, Retro und Shabby Chick wird heute alles aufgefahren, was irgendwie alt aussieht. Die Do it Yourself-Generation legt selbst Hand an, arbeitet auf- und um. Altbewährtes wird neu definiert. So hängt die Kaffeekanne als Futterplatz im Baum, die ausgemusterte Kassettentür wird zur Garderobe. Deko-Objekte: Egal, Hauptsache Patina. Jeder Gegenstand soll eine Geschichte erzählen und am liebsten eine Gute.

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