Erntedank: Festtafel mit Hindernissen

Erntedank: Festtafel mit Hindernissen

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Wenn es um Feste wie Ostern, Weihnachten und Sank Martin geht, werde ich wieder zum Kind. Ich will das volle Programm. Am Samstag vor Ostern zwinge ich meine Tochter Eier zu bemalen, obwohl sie viel lieber Videos auf dem Tablet gucken will (das hat sie von ihrem Vater). Und auf den Advent freue ich mich schon seit – äh Silvester. Immerhin kommt mir mein Kind in Sachen Sankt Martin entgegen, weil sie „Laterne, Laterne“ das ganze Jahr über singt und ich mit Inbrunst einfalle, sobald wir außer Hörweite sind.

 

Als nächstes steht Erntedank an. Das Liedgut dazu ist noch ausbaufähig, deshalb möchte ich in diesem Fall lieber essen. Also natürlich erst danken, versteht sich und dann essen. Ich spreche eine Einladung an unsere Nachbarn aus. Mein Mann darf kochen und ich mach das Wichtigste – die Tisch-Deko. Meine Freundin Anna muss mir helfen, beschließe ich. Die kann so was. Anna hat eigentlich nur einen Fehler und das ist ihr blindes Vertrauen in meine Stilsicherheit. „Du willst eine Erntedank-Tafel dekorieren? Ist doch kein Problem, folg einfach deinem Gefühl.“

Halloween-Deko????
Mit diesem weisen Rat entlässt sich mich in die Weiten des umliegenden Einzelhandels und ich komme mit einem hübschen Sammelsurium – in vorwiegend orange – zurück. Hm! Eigentlich ist orange jetzt nicht so meine Farbe… Aber es soll ja auch herbstlich sein, schließlich geht es um die Ernte: Korn, Karotten und so. Als ich Anna kurz darauf im Supermarkt treffe, deute ich stolz auf zwei Keramikkürbisse. „Guck, die habe ich für meinen Erntedanktisch gekauft!“ „Was?? Das ist Halloween-Deko!“ „Das kommt davon, wenn du mich mit so was alleine lässt“, jammere ich.

Zwei Tage später sitzen wir in der Küche und Anna raschelt durch meine Errungenschaften. „Also für jemanden, der orange nicht mag, hast du ja ganz schön zugeschlagen. Und irgendwie alles so rustikal. Das bist du nicht“, meint sie und schiebt den Karton weit von sich. Dafür zieht sie den Laptop ran und in der Tat ist die optimale Erntedank-Deko nur zwei Google-Treffer entfernt. „Wow, petrolfarbene Kürbisse“, hauche ich ehrfürchtig. Graue Patina, Leinen, dunkelrote Trauben, Wein in schweren langstieligen Kristallgläsern, kleine, krustige Brote – ich bin hingerissen.
Mein Mann weniger. „Du fängst jetzt aber nicht an für eine einzige Einladung Kristallgläser und Tischdecken zu kaufen…“ – „Nicht?!“  Und dann kommt die übliche Aufzählung, die ich – wie üblich – an mir vorbeirauschen lasse: kein Platz, Geld sparen, zu viel Pröll. „Und außerdem geht es doch an Erntedank erstmal ums Danken. Da ist ein bisschen Bescheidenheit angebracht.“ Hmm! Jetzt hat er mich. Mein Mann und seine ärgerliche Angewohnheit im Recht zu sein. Wie käme ich ohne dieses Korrektiv nur durch den Alltag…

Eine Maus mit Geschmack
Jedenfalls ist nun mein Ehrgeiz geweckt und ich beschließe, genau zehn Euro auszugeben und zwar für essbare Deko. Der Rest kommt aus eigenen Beständen. Schließlich geht es an Erntedank  um Nachhaltigkeit und eigentlich sind unsere alten Gläser auch ganz schön. Also die Tüte mit den Leinentischdecken aus dem Keller geborgen: „Iiiiiiih!“ Verräterische Spuren. Da war eine Maus dran! Ist die noch drin oder etwa schon raus und sitzt jetzt feixend unterm Kühlschrank? Hektisch schaue ich in der Küche umher!

Eins muss man ihr lassen, sie hat wirklich akkurat gearbeitet. Sieht aus wie gewollt. Also Leinen in die Waschmaschine, Blumenkübel vom Balkon geholt, alte Teller mit Goldrand gerettet, die ich schon für den nächsten Polterabend eingeplant hatte. Ach, und die Apfeltischkärtchen von unserer eigenen Hochzeit reanimiert. „Siehst du, wie gut es ist, so was aufzuheben?“, sage ich triumphierend zu meinem Mann. „Und wie unnötig es gewesen wäre, alles neu zu kaufen?“, ergänzt er. Ja doch. Hab verstanden. Morgen gibt’s gefüllte Auberginen. Und die orange Deko? Die macht sich bestimmt ganz wunderbar, am Altar beim Erntedank-Gottesdienst.

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