Gin – das Trendgetränk

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Gin ist Trend. In den letzten Jahren erfreut sich die Spirituose zunehmender Beliebtheit. Galt der Wacholderschnaps früher eher als eingestaubt  und langweilig, so positioniert er sich heutzutage als Kultgetränk. Es gibt unzählige Gin Sorten und es lassen sich damit wunderbar leckere Drinks mixen – vom Gin Tonic, über den Martini bis zum Bombay Crushed.

Doch was zeichnet einen guten Gin aus und wozu trinkt man ihn am besten? Wir haben einen Experten auf diesem Gebiet befragt. Alle Teilnehmer unseres GALERIA Kaufhof Blogger-Camps kennen ihn schon, Branimir Hrkac. Der passionierte Barkeeper aus Frankfurt und Markenbotschafter von Diageo konnte uns und unsere Gäste mit seinem Wissen rund um das Trendgetränk Gin begeistern. Er hat uns viele interessante Informationen mitgegeben, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Aus diesem Grund haben wir Branimir zu einem Interview eingeladen.

Branimir hrkac

Stell dich bitte einmal kurz vor. Wer bist du?

Mein Name ist Branimir Hrkac, vielen in der Barszene bekannt als „Ban Piva“.
Geboren und aufgewachsen bin ich in Frankfurt am Main. Ich bin Sohn kroatischer Einwanderer, welche heute wieder in Zagreb leben. Als Barmann arbeite ich bereits seit 13 Jahren. Seit über zwei Jahren lasse ich die Löffel in meiner ersten eigenen Bar tanzen, der Bristol Bar am Frankfurter Hauptbahnhof.
Außerdem arbeite ich für die Firma Diageo als Markenbotschafter für Spitzen-Brands wie Tanqueray Gin. Dort biete ich Degustationen und Schulungen für Gin, Vodka, Rum und Whiskey sowie natürlich Cocktail Workshops an. Den ganzen Tag über Spirituosen und Barkultur reden zu dürfen ist für mich der Traumjob schlechthin.

Was zeichnet einen guten Gin aus?

Pauschal empfinde ich derartige Fragen immer als schwierig. Denn der eigene Geschmack spielt natürlich immer eine große Rolle. Ein Gin, der mir schmeckt, kann meinem Gegenüber vielleicht überhaupt nicht zusagen. Ich persönlich mag Gin, welcher etwas mehr Alkoholvolumen hat, so ab 43 Volumenprozent. Ansonsten bevorzuge ich persönlich gerne trockene, wacholderlastige Gins – typisch Engländer könnte man sagen.

Woher kommt Gin?

Über dieses Thema werden Bücher geschrieben. Die Frage ist immer, wo fängt man beim Gin an? Man könnte bereits mit den ersten Brennversuchen, damals aus medizinischen Gründen, in der Antike beginnen. Sogar die Duftwasser-Herstellung hat viel mit der Spirituose zu tun, wie wir sie heute kennen. Kriege, Machenschaften und Zufälle sorgten dafür, dass das Wissen um die Alkoholherstellung durch die verschiedenen Länder ging. Hinzu kommt die Zeit der Entdeckungen und großen Seemächte. Denn diese brachten neben Kaffee, Kakao, Tee auch neue Gewürze, Beeren und vieles mehr in die reichen Haushalte der Europäer. Die Alkoholherstellung und die Medizin waren immer sehr nahe beieinander. So war es auch ein Arzt, der zum ersten Mal Wacholderbeeren in Schnaps einlegte. Dies war der Holländer Franziskus de la Boë, den viele heute als „Urvater des Gins“ bezeichnen. Wacholder war ein Mittel gegen Magenschmerzen und sollte den Harndrang fördern. Aus diesem Genever in Holland beginnt die Geschichte des Gins.

Wie wird Gin hergestellt?

Das Interessante an der Gin Herstellung ist, dass es verschiedene Wege gibt, um zum Ergebnis zu kommen. Wer möchte kann Gin einfach und ohne viel Aufwand selbst herstellen. Das hatte in der Geschichte des Gins immer wieder verheerende Auswirkungen, Stichwort „Gin Craze“. Auch wir Barmänner haben oft mit dem Thema zu kämpfen. Wenn uns beispielsweise ein Student, Anwalt oder Kioskbesitzer seinen „fantastischen und noch nie da gewesenen, super premium Gin“ präsentiert. Ebenso springen zurzeit sehr viele Obstbrenner auf den Zug des „Gin-Hypes“ auf. Ich muss sagen, der Markt wird momentan etwas überschwemmt. Streng genommen und gemäß EU-Richtlinien reicht es Neutralalkohol mit Wacholdergeschmack zu versetzen, um das ganze Gin nennen zu können. Einen fein-ausgewogenen Brand erhält man so natürlich nicht.

Eine typische Herstellungsvariante ist die Mazeration, der sogenannte Kaltauszug. Man muss sich das Ganze wie mit einer Tasse heißem Wasser (in diesem Fall kaltem Neutralalkohol) und einem Teebeutel (unsere Botanicals und Zutaten) vorstellen. Die verschiedenen Aromen werden einige Wochen eingelegt, bis sie ihre Geschmacksstoffe abgegeben haben. Im Anschluss wird die Flüssigkeit noch gefiltert, verdünnt und abgefüllt. Das Pendant dazu ist die Digestion, die Aromen werden dem angewärmten Alkohol (ungefähr 70 Grad Celsius) hinzugegeben. Darin können sich die ätherischen Öle der Botanicals gut lösen. Des Weiteren gibt es ein Verfahren ähnlich der Filterkaffeeherstellung, die Perkolation.
Hinzu kommen viele verschiedene Arten das Ganze zu brennen sowie auch die verschiedenen Herstellungsmethoden miteinander zu kombinieren. Das macht die Welt der Gins im Prinzip auch so spannend, kein Brand gleicht dem anderen.

Wie viele Gin-Marken bietest du in deiner Bar an?

Ich liebe den Wechsel. An einer Bar 300 Gin-Sorten anzubieten kann nett sein, ist aber nicht mein Ding. An meiner Bar haben wir nie mehr als 15 Sorten, ungefähr drei Gins bleiben konstant im Sortiment, den Rest wechseln wir nach Jahreszeit und Wetter sowie nach Lust und Laune vom Barteam und unseren Gästen.
Wenn man klassifizieren müsste, so haben wir ungefähr immer etwa drei typische London Dry Gins, einen Old Tom oder Plymoth Gin sowie drei-fünf Western Style Gins. Zur Zeit sind aber vor allem deutsche Marken sehr beleibt.

Welchen Gin trinkst du am liebsten?

Auch dies hängt bei mir von Lust und Laune ab. Ich probiere immer gerne Neues und erfreue mich, wenn Menschen Herzblut in diese Spirituose investieren. Genau so ärgere ich mich aber, über irgendwelche neuen Gins, bei denen ich das Gefühl bekomme, dass mehr Zeit für Marketingkonzept aufgebracht wurde, als in die Produktion des Gins.
Zu 90% Prozent trinke ich persönlich Tanqueray London Dry Gin. Das ist mein persönlicher „All-Time-Favorit“. Diesen trinke ich quasi, seit ich Gin trinken kann und ich glaube den werde ich wohl auch immer am liebsten trinken. Trocken, kantig, wacholderlastig und ehrlich.
Von den Western-Style-Gins bevorzuge ich „Ferdinands Gin“ aus dem Saarland. Für mich eine der größten Überraschungen der letzten Jahre. Persönlich finde ich diesen Gin ein fantastisches Produkt.

Wie trinkt man Gin richtig? Pur, auf Eis oder gemischt?

Alle Möglichkeiten sind natürlich genau so richtig. Sie entsprechen den eigenen Vorlieben und dem Geschmack. Um einen neuen Gin kennenzulernen, sollte man ihn am besten pur probieren.
Das Eis sollte vorzugsweise in ein Rührglas mit genügend Gin gegeben werden. Vielleicht etwas trockenen Wermut, Orangebitter und allenfalls sogar die ätherischen Öle einer Zitronenschale. Schon hat man einen Martini Cocktail. Persönlich bevorzuge ich einen eiskalten Gibson, das ist quasi ein Martini Cocktail. Bei diesem gibt man ein paar eingelegte Perlzwiebeln dazu. Eine grandiose Kombination, wie ich finde.
Selbstverständlich trinke ich gerne und viel zu viel Gin&Tonic. Mit viel Eis und einem Verhältnis von 1:3.

Branimir, vielen herzlichen Dank für das spannende Interview!

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2 Kommentare

  1. Guten Tag,
    Ihr Artikel über Gin ist äusserst interessant und so noch nicht zu lesen gewesen.
    Da ich aber ein großer Sammler von schottischem Whisky, vor allem Malts bin, wundert es mich, dass ich hier keine Zusammenstellungen von Whisky entdecken kann. Haben Sie etwa den Verkauf von Ihren hervorragenden Whiskysorten aufgegeben?
    Mit freundlichen Grüßen
    Wilfried Richard Baier.

  2. Anastasia

    Lieber Wilfried,
    es freut uns, dass dir unser Gin Ratgeber gefällt. Einen Ratgeber zum Thema Whisky findest du hier: https://www.galeria-kaufhof.de/living/geniessen/essen-trinken/whiskey-guide/

    Lieben Gruß,
    das GALERIA Kaufhof Team

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