Karl Lagerfeld Ausstellung – Modekosmos einer Designikone

Karl Lagerfeld Ausstellung – Modekosmos einer Designikone

Dir gefällt dieser Artikel60
| gastblogger Tags: |
Dir gefällt der Beitrag? Dann teile ihn mit Freunden, Familie und Bekannten! Mit dem Klick auf den Social Media Button wirst du zu dem jeweiligen Netzwerk weitergeleitet und gestattest die Datenübermittlung an die Betreiber der sozialen Netzwerke.

Umfangreiche Ausstellung und Finissage in der Bundeskunsthalle Bonn

Letzte Woche war nicht nur Karl Lagerfelds Geburtstag, sondern auch die Finissage zur Ausstellung Karl Lagerfeld. Modemethode in der Bonner Bundeskunsthalle. Ich war vor Ort und möchte euch auf eine kleine Reise in die Welt des großen Designers Karl Lagerfeld mitnehmen:

Wer ist Karl Lagerfeld? Arbeitstier, Exzentriker, Genie und Perfektionist, um nur einige Attribute zu nennen, die ihm zugeschrieben werden. Eine richtige Antwort kann ich nach dem Besuch der Ausstellung auch nicht geben. Aber eines ist mir wieder bewusst geworden: Karl Lagerfeld ist und bleibt ein Ausnahmedesigner. Nunmehr als 60 Jahre entwirft er Kollektionen für namenhafte Häuser, wie Chanel oder Fendi. Stets von seinem Gespür für das Lebensgefühl und den Strömungen der jeweiligen Zeit geprägt, sind seine Kreationen einmalige Zeitzeugen. Karl Lagerfelds Schaffen und Wirken ist mehr als der Entwurf eines Kleidungsstücks, es ist ein Gesamtkonzept. Eben diese Form einer „Modemethode“ zeigt die Ausstellung in der Bundeskunsthalle auf beeindruckende Art und Weise.

Karl Lagerfeld

60 Jahre Modegeschichte ganz nah

Den Anfang der Ausstellung macht ein nachgebautes Künstleratelier: über einem vollbeladenen Schreibtisch prangert eine Illustration die Lagerfeld zeigt – Willkommen in Karls Welt. Einige Schritte weiter fällt mein Blick auf den legendären gelben Wollmantel. Für diesen gewann er 1954 mit nur 21 Jahren, den Preis des internationalen Wollsekretariats und legte somit den Grundstein für seine Karriere. Ich stehe in einem weiten grauen Raum und vor mir 125 unterschiedliche Looks, die Lagerfeld für Labels wie Fendi, Chloe, Karl Lagerfeld und Chanel entworfen hat. Die Vielfalt seiner Werke, zum Greifen nah: ob klassisch, streng, mondän oder verspielt. Jedes Kleidungstück anders schön, aber eines haben die Outfits gemein: Die einzigartige Handschrift eines Lagerfelds – Handarbeit in filigraner Perfektion. Er betont stets, wie wichtig ihm das Handwerk ist und stellt höchste Ansprüche an Qualität und Fertigung. Jedes Detail eines Designstückes ist bis auf die kleinste Naht perfekt durchdacht. Seine Leidenschaft zur Materialität spiegelt sich in der Interpretation des traditionellen Chanel Kostüms wieder: Lagerfeld nimmt dem Design seine Schwere, indem er  den Stoff bestickt, mit anderen Materialien verwebt und feine Details setzt. Lagerfeld schafft den schmalen Grat zwischen innovativer Experimentierfreude und klassischer Tradition perfekt und Chanel kann somit seiner Linie treu bleiben.

Märchenwald

Im nächsten Raum angekommen habe ich das Gefühl, ich befinde mich in einem pastellfarbenen Märchenwald. Die Papierranken durch die vereinzelnd Licht fällt, sind ein Kunstwerk für sich und bilden einen wunderschönen Rahmen für Lagerfelds Haute Couture-Roben. Die Papierinstallation ist ein wunderschöner Verweis auf Karls Liebe zum Material Papier.

„Ich muss immer Papier unter meinen Händen spüren, damit ich mich ausdrücken kann“
Karl Lagerfeld

Am liebsten möchte ich mich in das so leicht und grazil wirkende rosé farbene Kleid schwingen, in dem einst Nicole Kidman glänzte. Neben zahlreichen Kleiderkreationen finden auch Skizzen und eigens entworfene Knöpfe, Taschen und Schuhe Platz in der Ausstellung. Damit nicht genug, das künstlerische Genie Lagerfeld ist auch leidenschaftlicher Fotograf, Filmemacher und Musikkünstler. Alle drei Komponenten sind in der Bundeskunsthalle zu entdecken: Filme über Coco Chanel von Lagerfeld, Modefotografie von Lagerfeld, selbst die Soundinstallation die in den Ausstellungsräumen läuft wurde von ihm mitgestaltet. Karl Lagerfeld bedient damit eine enorme Bandbreite unterschiedlicher Kunststile, die zugleich von der endlos scheinenden Schöpferkraft eines Karl Lagerfelds zeugen. Zurecht ist er einer der prägendsten Designer im 20. Und 21. Jahrhundert.

Willkommen in einer anderen Welt – Modekritische Performances zur Finissage

Die Bonner Bundeskunsthalle feiert das Ende einer sehr gelungenen Lagerfeld Ausstellung mit Aktionskunst und einem Auftritt von Chicks on Speed.


Gegen 19 Uhr wurde endlich das Geheimnis eines weißen Zeltes im Foyer gelüftet. Darin befand sich eine Art Altar, unter anderem dekoriert mit Produkten des Labels Vodoo-Chanel. Vodoo-Chanel ist ein Projekt aus Hamburg, die mit Kunst-Installationen, Performances und eigenen Fashionprodukten das westliche Modesystem  und die Kultur der „Global Brands“  kritisieren. Zugegebener Maßen fühlte ich mich mit meiner Chanel-Brille auf der Nase etwas unwohl, als der Vodoo-Priester versuchte mich mit mystischen Sprüchen vom Kommerz zu befreien. Etwas zeitversetzt starteten zwei junge Frauen auf einem Podest ihre Aktionskunst. Vor ihnen lag ein Haufen Kleider, die sie immer wieder anprobierten und durch Dekonstruktion versuchten neue Styles zu kreieren. So wurde eine Hose zu einem Kopftuch, ein Strickschal zu einem Kleid und ein Männerhemd zur Hose. Die Damen waren stets unzufrieden mit ihrem Look und suchten verschwenderisch nach den neusten Trends und der passenden Verkleidung für ihren Körper.

Temporeiche Utopien bei Chicks on Speed

Den dekadenten Ritualen der Gesellschaft, sei es Museumsbesuch oder Modenschau, hält die Gruppe Chicks on Speed einen kritisch-schicken Spiegel vor. Chicks on Speed sind eine Künstlergruppe, die mit ihrer eigenwilligen Kombination von Elektro-Minimalistischem Pop und Performances für internationale Aufmerksamkeit sorgen. So traten Chicks on Speed schon bei der Fashion Week in Paris auf oder im renommierten MoMA (Museum of Modern Art) in New York. Das Konzert von Chicks on Speed in der Bundeskunsthalle war ein gelungener Abschluss zur Lagerfeld Ausstellung. Der Auftritt der  zwei Künstlerinnen wurde von weiteren Darstellern in ihrer Performance unterstützt. Licht- und Videoinstallationen unterstrichen den Auftritt des Ensembles.

Chicks on Speed

Die Sängerinnen waren leidenschaftlich in ihrem Element und boten eine energiegeladene und mitreisende Live-Performance. Das Publikum war bunt gemischt und einige von ihnen konnten die Überdosis an Sinneseindrücken sichtlich schwer einordnen. Aber ebendiese Mischung war ein hervorragendes Mittel, die Überforderung und den Überfluss des Modekonsums visuell aufzugreifen. Besonders die trashigen Pop-Collagen die im Hintergrund über einen Bildschirm blitzten, waren von übermäßigen Bildmetaphern und schriftlichen Botschaften gezeichnet. Die Pop-Collagen wurden unter anderem bei Design-Kollektionen von Dolce & Gabbana rezitiert. Das Paradoxon der Kritik an der Modeindustrie, die durch diese wieder aufgegriffen wird zeugt von der Wechselwirkung dieser Gegensätze. Bei der Finissage wurde dies durch das kontrastreiche Programm aufgegriffen und bot somit einen gelungenen Abschluss einer wirklich tollen Ausstellung.

Leider ist die Exhibition keine Wanderausstellung und war somit exklusiv in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen. Ich hoffe viele von euch hatten das Glück dort gewesen zu sein. Habt ihr die Ausstellung besucht? Wie waren eure Eindrücke? Oder konntet ihr schon an einem anderen Ort Designkreationen von Karl Lagerfeld bestaunen?

 

Info: 

Die Ausstellung Karl Lagerfeld. Modemethode war vom 28. März bis zum 13. September 2015 in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen. Temporäre Ausstellungen in der Bonner  Bundeskunsthalle: http://www.bundeskunsthalle.de/ausstellungen/index.html

Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Friedrich-Ebert-Allee

453113 Bonn

Tel.: 0228 9171 200

 

 

Kommentar(e) verbergen

Kommentar(e) anzeigen

Schreibe einen Kommentar