Longboards: Die lässigen Sidewalk-Surfer

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Wo auch immer es glatten Asphalt gibt, sieht man heute immer mehr Longboards auf den Straßen. Und so mancher fragt sich, was eigentlich so toll daran ist, auf einem Holzbrett über den Fußweg zu rollen. Dazu lässt sich viel erzählen. Lest hier mehr über die Anfänge des Skatens, die eng mit dem Surfen zusammenhängen. Und findet raus, ob ihr Pumper, Cruiser oder Dancer seid!

Sie sind unterwegs im Park und in der Fußgängerzone. Man sieht sie früh mit dem Ranzen in die Schule fahren und einige seltene Exemplare sind sogar mit Anzug und Schlips unterwegs. Longboarder, die entspannt über den Asphalt cruisen, werden von Saison zu Saison immer mehr zum festen Teil des Straßenbildes. Und trotzdem haftet dem neuen Trend mit der lässige Aura etwas Geheimnisvolles an. Das ist doch kein richtiges Skateboard, fragt man sich? Richtig: Es ist ein Longboard und es ist höchste Zeit, sich das mal genauer anzusehen.

Longboarden gehört zu den ältesten Stilen des Skatens. Sidewalk-Surfen ist auch ein guter Name für den straßentauglichen Stile des Skatens auf Brettern mit Rollen. Die ersten Longboarder waren ja Surfer, die auf dem Weg zum Strand keine Lust hatten, zu Fuß zu gehen. Also schraubte man einfach ein Paar Rollen an ein altes Surfbrett und ab ging es den sonnigen Hügel runter. Das war weniger riskant, als es klingt: Dank den breiten amerikanischen Straßen, gutem Asphalt und einer entspannten Attitüde der Autfahrer, die ja mit ihren Brettern auf dem Rücksitz oft das selbe Ziel hatten. Die klassische Longboard-Form der Pintails erinnert deutlich an die Ursprünge.

Später passten dann die artistischen Skateboards auf kleinen, harten Rollen besser in die beengten Verhältnisse großer Städte. Mit der urbanen Hip-Hop-Kultur der Achtziger und Neunziger gerieten die gediegenen, großen Formate fast in Vergessenheit. Aber nur, um neu entdeckt zu werden. Wo es einigermaßen guten Straßenbelag gibt und auch die Autofahrer sich nicht zu aggressiv benehmen, da wächst die sympathische Szene der Longboarder unaufhaltsam.

Bist du Cruiser, Pumper oder Dancer?

© nenetus - Fotolia.comEs gibt eine Hand voll Stile, in denen die langen Bretter gefahren werden und die sich in den Anforderungen an Material und Können deutlich unterscheiden. Das einfachste und entspannteste ist das gediegene Cruisen. Ohne große Manöver, scharfe Wendungen oder hohe Geschwindigkeiten rollen die Longboarder beim Cruisen absolut entspannt durch die Straßen.

Downhill sieht ganz anders aus. Dafür braucht es wenig befahrene Straßen mit langen Neigungen. Bei den kurvenlastigen Abfahrten werden im Extremfall Geschwindigkeiten von über 100 km/h erreicht. Wer Ben Stiller in „Walter Mitty“ gesehen hat, der hat einen guten Eindruck davon. Es wundert deshalb kaum, dass die europäische Downhillszene in der Schweiz und Österreich besonders stark ist.

Carven und Sliden sind zwei Techniken, mit denen sich hohe Geschwindigkeiten kontrollieren lassen. Carven nutzt, wie man es vielleicht von der Skipiste kennt, die Drehmomente in jeder Kurve, um Geschwindigkeit aufzubauen. Beim Sliden wird das Longboard bewusst ins Rutschen gebracht, um über die Reibung zu bremsen – oder um extrem coole Manöver zu fahren.

Beim Pumpen dienen schnelle, lockere Kurven dazu, das Board nach vorn zu treiben. Wer das Pumpen beherrscht, fährt weite Strecken locker ohne sich mit dem Fuß abzustoßen.  Eine elegante Disziplin, in der sich die fortgeschrittenen Longboarder gerne überbieten, ist das Dancing und Boardwalking mit tänzerischen Schritten auf dem rollenden Brett. Noch ein Element, das sich ursprünglich auf dem Surfbrett entwickelt hat.

Wer ins Longboarden einsteigen will, steht schon beim Kauf vor einer Hürde. Die Formen sehr vielfältig. Auffällig sind die Unterschiede bei den Deckformen: Spitz zulaufend, mit schmale Ausschnitten oder abgewinkelten Enden. Aber auch bei den Achsen gibt es verschiedene Bauweisen und natürlich beim Material der Dechs an sich. Deshalb geben wir hier einen kurzen Überblick über die grundlegenden Bauformen und die Stile, die damit bevorzugt gefahren werden.

Drop-Through, Flex und Camber: Das kleine Longboard-Einmaleins

Ein Longboard-Deck besteht aus aus mehreren laminierten Holzschichten. Außen sorgen hochrobuste Faserkunststoffe oft noch für die nötige Langlebigkeit. Doch zur Ästhetik der Longboards gehört auch der Genuss am natürlichen Material. Viele Boards sind echte Kunstwerke aus edlem Holz und lassen das durch klaren Lack an der feinen Maserung auch gerne sehen. Das Griptape für den sicheren Halt auf dem Deck darf natürlich nicht fehlen.

area_longboardDie gängige Länge reicht von 90 Zentimetern bis anderthalb Metern. Die Faustregel bei der Länge lautet: Je länger, desto mehr Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten. Je kürzer, desto mehr Wendigkeit und Kontrolle.

Schöne Vielfalt herrscht bei den Shapes – den Deckformen. Das Pintail kennt ihr schon: Die Surfbrettform mit der Spitze nach hinten. Klassisch ist auch der Twintip mit eher kantigem Mittelteil, schmaler Nose (vorderes Ende) und ebenso schmalem Tail (hinteres Ende).  Die Shapes können allerdings deutlich variieren und machen einen wichtigen Teil der edlen Longboard-Ästhetik aus. Für die Fahreigenschaften sind aber die übrigen Details viel wichtiger, als der Umriss.

Nur auf eins solltet ihr jedenfalls achten: Wenn die Räder teilweise unter dem Deck liegen, besteht bei tiefen Turns die Gefahr, dass die Wheels vom tief geneigten Deck eingeklemmt werden. Diese Wheelbites beschädigen zum einen das Deck, was mancher aber sogar als schmückend ansieht. Sie sind aber auch gefährlich, weil sie einen unerwarteten, plötzlichen Stopp bewirken können. Die Lösung sind schmale Enden oder Cutouts – Ausschnitte, die bei einem breiten Brett Platz für die Wheels schaffen.

Einen großen Unterschied macht die Montage als Topmount oder Drop Trough. Beim Top Mount sind die Achsen unter dem Brett verschraubt. Das ergibt wendige Bretter mit hohem Schwerpunkt. Weil aber vielen Longboardern die ruhige Straßenlage sehr wichtig ist, wurde die Drop Through-Bauweise entwickelt, um den Schwerpunkt etwas nach unten zu verlagern. Dafür werden Löcher in das Deck gefräst und die Achsplatte so eingesetzt, dass sie bündig mit der Oberfläche des Decks liegt.

Der Flex ist eine grundlegende Eigenschaft jedes Longboards. Die Biegsamkeit entscheidet, für welches Gewicht und welchen Fahrstil sich ein Longboard am besten eignet. Weiche Boards, die sich stark biegen, lassen sich leichter kontrollieren und nehmen nicht so schnell Fahrt auf. Sie sind für den langsamen Einstieg und wendiges Fahren durch kurvenreiche Strecken gut. Elegantes Cruisen und sportliches Carving benötigt auch ausreichend Flex. Harte Decks beschleunigen besser und kommen bei hohen Geschwindigkeiten nicht so leicht ins flattern. Sie gelten als typische Downhill-Boards und gute Wahl, wenn das Longboard als flottes Verkehrsmittel dienen soll.

Der Flex wird auch durch die Vorformung mit ausgeprägtem Camber beeinflusst. So nennen die Insider eine nach oben gewölbte Form, die den Flex für dynamische Schwünge noch deutlich verbessern kann.

Die Rollen können eher hart oder weich sein und eignen sich damit jeweils besser für Grip oder Slide. Cruiser bevorzugen große, breite Griprollen mit Härten im Siebziger-Bereich. Kleinere, schmalere Rollen mit Härten weit über 80 eignen sich, um kontrolliert die Haftung zu verlieren und das Board über den Asphalt rutschen zu lassen.

Wie findet man hier das richtige Board für Anfänger? Wer ins Longboarde einsteigt, sollte sich zunächst überlegen, worauf er am meisten Lust hat: Lässig cruisen, Tricks oder harte Geschwindigkeit. Das erste Board sollte dann noch nicht extrem in eine Richtung gehen. Solches Material verzeiht am meisten Fehler und gestattet es, mit gediegener Ruhe die unterschiedlichen Fahrstile auszuprobieren.

Das wars zum Longboard und vielleicht trifft man sich mal beim Sidewalk Surfen unter der Sommersonne!

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