Romantik am Weltelterntag

Romantik am Weltelterntag

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| gastblogger
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WanderschuheEs ist Ende Mai und wir sind so erholt wie immer. Soll heißen: Ehemann Mittelohrentzündung, Tochter irgendwelche ominösen Stiche am Bein, ich Rückenschmerzen. „Das kommt davon, wenn man eine Nackenmuskulatur wie ein Säugling hat und dann meint, man könnte wie eine Fünfjährige auf einer Hüpfburg rumturnen“, stichelt mein Mann. „Na, danke. Du siehst ja, wenn ich deinem Rat folge und mich bewege, kann ich danach gleich drei Wochen in Reha gehen“, motze ich zurück und sinke ermattet in die Sofakissen.

 

Landschaft500Toller Auftakt, denke ich. Denn eigentlich haben wir einen ganz besonderen Abend geplant. Nur für uns – Papi und Mami. Weil, am Montag ist Weltelterntag. Ja genau: Ein Tag zu Ehren der Eltern, der immer am 1. Juni gefeiert wird. Während der Muttertag in Deutschland auf das Jahr 1923 zurückgeht und der Vater- oder treffender Herrentag sogar auf das späte 19. Jahrhundert, ist der Weltelterntag eine neue Erfindung der Vereinten Nationen. In diesem Jahr wird er zum dritten Mal begangen, um die „selbstlose Hingabe von Eltern gegenüber ihren Kindern“ zu würdigen „und die Opfer, die
sie bringen, um diese Beziehung ein Leben lang zu pflegen“.

Klingt beim ersten Hören pathetisch. Beim zweiten auch. Aber wenn Töchterlein einen mal wieder nachts um halb zwei aus dem Tiefschlaf reißt, weil sie keinesfalls auch nur eine weitere Minute mit diesen gruseligen Eulen an der Wand schlafen kann (die man aber bereits vor sechs Monaten abgehängt hat) wird es doch ganz realistisch. Selbstlos stehe ich also auf, wanke voller Hingabe ans Bett meiner Tochter, riskiere einen Bandscheibenvorfall, während ich sie aus dem Bett hieve und in mein Bett schleppe, wo ich den Rest der Nacht auf den verbleibenden zehn Zentimetern liege. Und ja, ich würde das auch mein Leben lang tun (hoffe aber doch, dass es sich irgendwann auswächst).

Im Weinberg500Während ich so da liege und nicht mehr einschlafen kann, beschließe ich, dass wir den Elterntag auf jeden Fall mitnehmen müssen. Aber wie? Zum Vatertag gibt es einen Männer-Ausflug, zum Muttertag Blumen und Selbstgebasteltes aus dem Kindergarten. Aber zum Elterntag? Unsere Tochter ist guten Willens, aber noch zu klein, um uns das Frühstück ans Bett zu bringen… Außerdem wollen wir sie nach Mutter- und Vatertag nicht überstrapazieren. (Kann man diese Ehrentage nicht ein bisschen besser übers Jahr verteilen?)

Tags drauf lese ich mal wieder, wie wichtig die Paarbeziehung für ein gelingendes Familienleben ist und beschließe: Wir brauchen einen Abend für uns! Alleine. So wie früher. Wie ging das nochmal? Ich hole mir ein paar Tipps bei einer frisch verliebten Freundin und sie ist überzeugt: „Ihr müsst tanzen gehen. Paariger geht es nicht!“ Okay, denke ich, ein guter Zeitpunkt, um die Maus zum ersten Mal alleine bei Oma und Opa übernachten zu lassen. Um das zu organisieren ziehen wir den Weltelterntag einfach ein bisschen vor. Unseren Hochzeitstag feiern wir auch nie am richtigen Datum, aber wir feiern ihn – irgendwann.

PavillonNachdem also unser Tag mit Gezicke am Morgen begonnen hat, kann es nur besser werden. Das sage ich mir, als wir unser begeistertes Töchterlein bei den Großeltern lassen und zum Auftakt eine Wanderung in die Weinberge machen. Frische Luft und schöne Landschaft, Bewegung, die sogar mir Spaß macht und zur Belohnung Waffeln mit heißen Kirschen in einem romantischen Pavillon hoch über dem Rheintal. Na ja, letzteres hätte ich gerne gehabt, aber es gibt nur den verwaisten Pavillon und ein paar Schlucke aus der Wasserflasche. Trotzdem: der Ausblick ist sensationell, die Ruhe ein Traum und wir kommen endlich mal ungestört zum Reden. Zwei Gemeinsamkeiten gibt es sofort: Erstens Mörderhunger und zweitens kein Bock auf Tanzen.

Am Abend500Stattdessen endet der Weltelterntag nach einer heißen Dusche gemütlich auf dem Hotelbalkon, mit allem, was die Speisekarte so hergibt. Der Himmel färbt sich langsam rosa, dann fliederfarben und dann nachtblau und wir tun: nichts! Einfach gar nichts. Drei Stunden lang. Kurz vorm Einschlafen – vor uns die Rarität einer ungestörten Nacht – frage ich meinen Mann: „Meinst du, der Maus geht es gut?“ – „Klar“, sagt der und: „Ich vermisse sie!“ – „Ja, ich auch“, seufze ich und denke: Typisch Eltern, können einfach nicht aus ihrer Haut. Dann schlafe ich ein.

 

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