Der Rum-Guide: Piratengold und Mixgetränke

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Seefahrerschnaps, Cocktailbasis und Backzutat: Rum ist nicht gleich Rum. Lesen Sie in unserem Rum-Guide, in welchen Varianten und Qualitäten die Spirituose zu haben ist. Und lassen Sie sich Appetit machen auf das relaxte Erlebnis karibischer Sonne im Glas!

Wenn schöne Segelschiffe sich unter der heißen Sonne kreuzen und Freibeuter Jagd auf spanische Dublonen machen, darf eins an Bord nicht fehlen: Die Buddel voll Rum. Die Spirituose aus Zuckerrohr ist Inbegriff für sonnig-relaxte Lebensart und nicht zuletzt der zentrale Bestandteil vieler Drinks mit lateinamerikanischem Temperament.

Gerne wird Rum auf seine großen Stereotypen reduziert, als Grog mit heißem Wasser oder als Partydrink mit Coke und Eiswürfeln gemischt. Ebenso häufig gibt er als Koch- und Backzutat mit seinen feinen Schokoladennoten den Ausschlag für perfekt gelungene Küchenkreationen. Doch das Eigentliche, was das Destillat aus den heißen Subtropen so unverwechselbar macht, verdient weit mehr Aufmerksamkeit. Echte Genießer vermeiden es tunlichst, dem edlen Tropfen noch etwas anderes hinzuzufügen!

Ein charaktervoller Original Rum ist viele Jahre im Eichenfass gereift. Er hat unter der heißen Sonne der Karibik konzentrierte Aromen aufgesogen und seine goldbraune Farbe oft ganz ohne die Hilfe von Zuckercouleur angenommen. Warm und süß, unvergleichlich mild und kraftvoll entfaltet ein feiner Rum sein goldenes Volumen am Gaumen. Und ob Sie am Strand im Liegestuhl, auf dem Deck eines Segelbootes, auf dem Barhocker oder zu Hause in Ihrem Lieblingssessel sitzen – das genussvolle Erlebnis ist das selbe.

Eine lange Geschichte und Rum ohne Zuckerrohr

Die Geschichte des Rums beginnt ziemlich genau mit dem Zeitpunkt, an dem die Europäer zum ersten Mal dem erstaunlichen Süßgras begegnen, das wir Zuckerrohr nennen. Was es über die Seefahrer aussagt, dass sie ohne große Umschweife beginnen, aus dem Saft der Pflanze einen feurigen Drink zu destillieren, mag dahingestellt sein. Die Strapazen einer solchen Überfahrt geben ihnen ja das Recht auf ein bisschen Entspannung. Die Idee hatte jedenfalls erstaunliches Potential.

Der Rum wurde bald zum guten Freund der britischen Seeleute, die für ihre tägliche harte Arbeit auch mit einer – genau bemessenen – Rum-Ration entlohnt wurden. Neben der Zuckerproduktion wurde die Herstellung des Destillats zu einem wichtigen Wirtschaftszweig auf den Antillen und in allen südlichen Kolonien auf der neuen Welt.

HavanaClub_RumAuch anderswo fand man Gefallen an der ungewöhnlichen Kombination aus milder Süße und feuriger Kraft. Indienfahrer brachten das Rohr bis nach Südostasien, wo es sehr gute Bedingungen fand. Von Kuba bis nach Thailand: Wo Zuckerrohr unter warmer Sonne gedeiht, wird bis heute nach alter Tradition Original Rum aus Zuckerrohrmelasse oder in seltenen Fällen auch direkt aus frischem Zuckerrohrsaft destilliert. Die besten und am höchsten gehandelten Marken sind Original Rum oder Echter Rum, für den das Original in Fassstärke von manchmal über 70 Prozent auf Trinkstärke von 37,5 bis 40 Prozent eingestellt wird.

Anders sah das für die europäischen Länder aus, die keine Südseekolonien hatten oder wo hohe Einfuhrzölle den Rumhandel unwirtschaftlich machten. Die dänische Ostindienflotte brachte deshalb den Rohstoff zu den Rumhäusern ins damals dänische Flensburg, wo aus teurem Original Rum, Wasser und Alkohol ansehnliche Getränke entstanden. Heute muss Flensburger Rum oder Rum-Verschnitt von Traditionsmarken wie Pott mindestens fünf Prozent Original Rum enthalten.

Noch erfinderischer mussten die Österreicher sein, um ein inländisches Pendant zu der beliebten Spirituose herstellen zu können. Da Zuckerrohr hier fast nicht zu haben war, entwickelte ein kluger Apotheker ein Rezept, das neben Wasser und Ethanol die richtige Mischung von Aromen und Farbstoffen ausmachte. Das Ergebnis überzeugt nicht nur den Seemann. Der Inländer-Rum und sein in Deutschland bekanntester Vertreter Stroh erfreuen sich bis heute großer Beliebtheit. Inländer-Rum ist die Basis für den Original Jagertee.

Als Spiced Rum oder Flavoured Rum lassen sich Getränke auf Rumbasis bezeichnen, die mit verschiedenen Essenzen angereichert und aromatisiert sind. Je nach Stärke als Spirituose oder Likör gehandelt, werden solche Varianten vor allem von den führenden Marken wie Captain Morgan, Havana Club oder Bacardi als Lifestyle-Getränke und zum Mixen vermarktet. Hochwertigere Produkte gehen mit Zusätzen dezent und kunstvoll um und eignen sich auch gut zum Purgenuss.

Rum ist übrigens nicht die einzige edle Spirituose, die aus Zuckerrohr hergestellt wird. Eng verwandt ist der brasilianische Cachaça – die Basis für einen echten Caipirinha. Während Rum klassisch aus Zuckerrohrmelasse destilliert wird, ist die Grundlage für das brasilianische Aguardente – Feuerwasser – der frische Saft des Zuckerrohrs.

Edle Aromen aus dem Eichenfass

Traditionsmarken wie Stroh aus Klagenfurt und Pott aus Flensburg stehen für europäische Rumvarianten in ansehnlicher Qualität. Dabei muss der Genießer in den höheren Preislagen auch auf den echten Rum aus Übersee nicht verzichten. Um die Marktführerschaft beim Original Rum kämpfen Captain Morgan, Bacardi und Havana Club.

©-gentelmenitEin Streit, der in den USA interessante Züge trägt. Durch Geschick und gute Beziehungen konnte Bacardi dort die Marke Havana Club kapern und bietet selbst einen „Havana Club – Puerto Rican Rum“ an. Währenddessen steht seit dem Ende des Embargos der kubanische Havana Club als „Havanista“ in den Regalen.

Wer den Zuckerrohrbrand in seiner ganzen Tiefe und in höchster Vollendung erleben will, der greift am besten zu einem Original Rum aus einer der vielen alten Brennereien aus der Karibik. Ein guter Rum braucht wie jede edle Spirituose Zeit, um seinen Charakter zu entfalten. Dazu gehört bei edlen Bränden die Lagerung im Holzfass, bei der die zarten Noten des Rums mit kraftvollen, runden Holztönen harmonisch ergänzt werden. Eine Lagerung von vier bis sechs Jahren und manchmal auch weit mehr darf zur Orientierung gern als Vorbote besonders aromatischer Qualität gelesen werden.

Teilweise werden für guten Rum Qualitätsprädikate ähnlich dem Congnac von V.O. über V.S.O.P. bis X.O. Um mit Hors d’Age ausgezeichnet zu werden, muss ein Rum schon über zehn Jahre im Eichenfass verbringen. Wer so einen Rum einmal probieren durfte, sagt erstmal lange nichts und dann, dass sich jedes einzelne Jahr gelohnt hat.

Die Fässer für einen großen Rum werden mit höchster Sorgfalt ausgesucht. Dabei entscheidet nicht nur die Qualität des Holzes, sondern besonders die Geschichte des Fasses. Es macht große Unterschiede, ob es zuvor einen Kentucky Bourbon verfeinert hat oder ob ein französischer Cognac darin zu wahrer Größe gereift ist. Das ist aber auch andersrum der Fall. Belegt ist die Geschichte eines schottischen Brennmeisters, der in einer karibischen Brennerei eigenhändig einen hervorragenden Rum kreierte – nur um später in diesen Fässern seinen Whiskey zu reifen zu lassen.

Relaxte Genusswelten unter karibischer Sonne

Rum ist vielseitig, gefällig und passt zu vielen Gelegenheiten, vorausgesetzt, es herrscht eine entspannte Atmosphäre. Er ist ein Star vieler berühmter Mixgetränke – von tropischen Legenden wie Daiquiri und Mojito bis zu Partymonstern wie dem Zombie und dem berüchtigten Long Island Ice Tea.

Aber ein guter Rum trinkt sich ganz für sich selbst. Relaxt und ohne jede Eile, in sehr bequemer Sitzposition mit guter Aussicht und ebenso guter Gesellschaft. Es braucht diese besondere, genussvolle Ruhe, um mit allen Sinnen zu erleben, wie sich eine sonnenwarme Süße mit tiefen Holznoten und intensiven Kakaoaromen verbindet.

Und ganz nebenbei: Einem Whiskeyliebhaber, der das Harmonische, Ausgewogene und Weiche an einem großen Speyside-Malt schätzt, können Sie mit einem richtig guten Rum eine ganz neue Welt erschließen!

Holen Sie sich die tropische Sonne ins Haus: Ein guter Rum ist wie eine Portion entspanntes, karibisches Lebensgefühl im Glas!

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