Saisonkalender: Obst und Gemüse von hier und jetzt

Saisonkalender: Obst und Gemüse von hier und jetzt

Dir gefällt dieser Artikel00
| Lena Tags: , , |
Tags: , ,
Dir gefällt der Beitrag? Dann teile ihn mit Freunden, Familie und Bekannten! Mit dem Klick auf den Social Media Button wirst du zu dem jeweiligen Netzwerk weitergeleitet und gestattest die Datenübermittlung an die Betreiber der sozialen Netzwerke.

Eine gute Frage: Warum sollte man darauf achten, welches Gemüse im Saisonkalender dran ist, wenn sowieso immer alles in den Regalen liegt? Antworten gibt es einige. Die wichtigsten finden Sie hier: Sie haben etwas mit Umweltbewusstsein, Gesundheit aber auch mit Genuss zu tun.

Das ökologische Argument für den Saisonkalender ist bestechend logisch. Wer Gemüse essen will, das hier gerade nicht wächst, der muss einen besonderen Aufwand betreiben. Entweder zieht man die Pflanzen in aufwendig geheizten Treibhäusern oder sie werden von weit weg hierher gebracht.

All das braucht zusätzliche Energie und die hinterlässt Spuren. Es lohnt sich für den Handel trotzdem, weil genügend Kunden bereit sind, für diese Leistung zu bezahlen. Und wie so oft sind die Folgen schwer und spät zu erkennen und treffen nicht vorrangig diejenigen, die sie verursachen.

Saisonal essen bedeutet, vor allem das zu essen, was jetzt auf den Feldern geerntet wird oder was als Lagerware von der letzten Ernte noch da ist. Das hat deutlich geringere Folgen für die Umwelt durch den niedrigeren Bedarf an Energie, Wasser und Dünger. Auch zusätzliche Behandlungen mit verschiedenen chemischen Mittelchen gegen Pilze und Pflanzenkrankheiten sind bei klassischem Anbau in der natürlichen Wachstumsperiode weniger nötig.

Saisonal heißt meistens auch regional

Es gibt mehrere Prinzipien, die zusammen genommen gut geeignet sind, die gröbsten Extreme bei der Nahrungsmittelherstellung mit zumutbarem Einsatz zu vermeiden. Saisonal bedeutet – nicht immer, aber in der Tendenz – auch regional. Denn das was jetzt und hier wächst, muss man ja nicht teuer von fern heranschaffen.

Haben Sie sich nach der Lektüre eines Zeitungsarktikels auch schon einmal gefragt, ob man bestimmte Dinge eigentlich überhaupt noch essen möchte und sollte, oder doch besser nicht? Solche Überlegungen enden meist in dumpfem Unbehagen ohne Folgen über einen Markt, den sowieso keiner überschauen kann.

Regionale Produkte aus dem Saisonkalender helfen, ohne zu viel Mühe in einem heiß umkämpften Markt den Überblick zu behalten. Soziale und ökologische Aspekte sind am besten nachvollziehbar, wenn Produzenten und Kunden nicht durch mehrere Staaten getrennt sind. Transparenz entsteht schon, wenn die Lokalzeitung mal den Kuhstall fotografiert. Im Idealfall kann der Kunde einfach einen Ausflug dorthin machen kann, wo Milch, Fleisch, Obst und Gemüse herkommen. Außerdem sind kurze Transportwege natürlich besonders umweltschonend, weil Kühlung, Konservierung und Treibstoff gespart werden.

Wenn in einem weit entfernten Land auf den Feldern irgendetwas vor sich geht, das für Bauern und Kunden von Nachteil ist, bekommt der Käufer das in der Regel nicht einmal mit. So besteht selten Gefahr, dass Missstände in Lateinamerika bei europäischen Kunden etwas am Kaufverhalten ändern. Wenn sich aber in der Nachbarschaft die Produktionsbedingungen verschlechtern, sei es aus sozialem oder aus ökologischem Gesichtspunkten, dann ist das schnell ein Thema am Tisch. Wer in der Nachbarschaft verkauft, sollte sich seinen guten Ruf erhalten.

Der Bauernhof am Stadtrand ist natürlich nicht immer die romantische Idylle aus der Bio-Werbung. Aber kritische Extreme lassen sich durch den Einkauf in der Nähe mit zumutbarem Aufwand minimieren. Ganz ohne Label, aber dafür mit einem gelegentlichen Besuch beim Hoffest, wo die Kinder gleich die Leute kennenlernen, die ihre Möhren, Rüben und Gurken anbauen.

Klingt nicht nur lecker – ist es auch

Wir sprechen über Essen. Wie könnten wir da nicht über Geschmack und Genuss sprechen? Und auch der gesundheitliche Aspekt hat mit dem Saisonkalender einiges zu tun. Frisches Gemüse, das auf kurzen Transportwegen in Bestform zu uns kommt, klingt nicht nur lecker, das ist es auch.

© Stefan Körber - Fotolia.comGemüse, das jetzt im Saisonkalender seine beste Zeit hat, ist allmählich gewachsen und hatte genügend Zeit, wertvolle Inhaltsstoffe zu entwickeln. Das geht nicht so gut, wenn schnellwachsende Sorten in Treibhausfabriken im Schnellverfahren reifen müssen. Ein schöner „Nebeneffekt“: Was gut und intensiv schmeckt, hat in der Regel auch dem Körper mehr zu bieten. Denn das, was Gemüse so wertvoll macht, Vitamine und Spurenelemente, muss sich erst einmal entwickeln.

Der regionale Anbau von Saison-Gemüse geht oft Hand in Hand mit einem Interesse an traditionellen Anbaumethoden und weniger bekannten Sorten. Die sind bei kleineren Betrieben auch wirtschaftlich oft sinnvoller, als für die „durchindustrialisierte“, auf wenige, optimierte Sorten festgelegte Landwirtschaft der Agrarriesen. Viele alte Obst- und Gemüsesorten haben so eine realistische Chance, obwohl sie im großen Wettbewerb schon fast ausgestorben waren. Ein tolles Beispiel ist das Comeback alter Möhrensorten im violetten Gewand und mit herrlich würzigem Aroma. Eine großartige Kombination aus traditioneller Küche und moderner Experimentierfreude.

Schließlich hat jede Saison ihren eigenen Geschmack, den es wieder zu entdecken gilt. Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln und Kohl lassen sich gut lagern. Die gibt es das ganze Jahr über. Doch Kürbis schmeckt eindeutig nach Herbst. Spargel läutet den Frühling ein. Und Apfelsinen gehören trotz immer voller Auslagen irgendwie mehr in die kalte Jahreszeit. Wenn es bestimmte Dinge nur zu ihrer Zeit gibt, schafft das auch eine engere Verbindung zu der Umwelt und der Natur, die uns so freigiebig ernährt. Jede Saison hat ihre Klassiker und Entdeckungen zu bieten. Die bleiben oft außen vor, weil im Supermarkt das Dauerangebot verleitet, immer das gleiche zu kaufen.

Auch Tropenfrüchte werten den Speisezettel auf

Und heißt das nun, dass Tropenfrüchte gar nicht mehr in den Einkaufskorb wandern sollten? Das ist natürlich übertrieben. Wieder heißt das richtige Stichwort Bewusstsein. Der Saisonkalender spielt allerdings bei den Tropenfrüchten keine große Rolle. Zum einen spielt es bei ohnehin weiten Transportwegen keine große Rolle, aus welcher Region nun Orangen, Mangos und Bananen stammen. Und zum anderen kennen die Tropen keine Jahreszeiten und keine Saisons.

Was Käufer hier interessieren sollte, ist der soziale und ökologische Aspekt in den Herkunftsländern. Viele Käufer versuchen schon, auf soziale und ökologische Anbaubedingungen zu achten. Nun sind auch Siegel wie Fairtrade und die verschiedenen Biolabel nicht über Kritik erhaben. Aber sie deuten eine Tendenz an, die sich zu verstärken lohnt. Es ist spannend, einen näheren Blick darauf zu werfen, was kleinbäuerlicher, genossenschaflticher Anbau in Schwellenländern und Entwicklungsländern verändern kann. Vor allem in Gegenden, wo bei Bananen, Kakao und Kaffee lange das strenge und nicht immer freundliche Diktat der Marktführer den Alltag bestimmte.

Wer bewusst kauft und bereit ist, ein wenig Anstrengung zu investieren, findet in den Supermärkten und Läden in der Nachbarschaft viele Produkte, die konkrete Projekte und Initiativen unterstützen. Dann kann man auch online hin und wieder nachschauen, wie es dort vor Ort weiter geht. Und so lässt sich über das Internet der Begriff „regional“ auch mal ganz neu deuten.

Kommentar(e) verbergen

Kommentar(e) anzeigen

Schreibe einen Kommentar