Trachtenmode als Kunstwerk

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Wolfgang Joop hat mit unserem Kreativteam auch in diesem Jahr wieder eine ganz besondere Kollektion kreiert. „Alpine Couture“ verbindet modernen Chic mit Tradition und zeigt uns auf charmante Art und Weise, dass Traditionskleidung stadtfein sein kann und Damen nicht nur im Dirndl eine gute Figur machen.

GALERIA Blog: Ist „Alpine Couture“ die Weiterführung des Cocktailkleides?

Wolfgang Joop: Die Kollektion zur „Alpine Couture“ ist nicht als Fortsetzung zum Cocktailkleid zu verstehen, sondern sie ist eine eigenständige Kreation.

Mich hat es schon immer fasziniert, dass gutes Design auch einen Erinnerungsfaktor hat, wie man zum Beispiel an dem Erfolg von Coco Chanel sieht. Sie hat bestimmte Items entworfen, die zu jener Zeit Sinn gemacht haben. Und zwar so viel Sinn, dass sie in unserer Zeit immer noch Bestand haben. Genau so verhält es sich mit Trachtenmode. Aus diesem Grund beneiden wir im Norden den Süden Deutschlands oder Österreich. Diese Regionen besitzen eine Traditionskleidung, die eine gewisse Derbheit, eine bewusste Ländlichkeit und damit auch einen wahnsinnigen Sexappeal hat. Bei „Alpine Couture“ werden diese klassischen Elemente mit modernen Trends und traditionellen Details kombiniert, so dass der persönliche Stil der Trägerin unterstrichen wird.

GALERIA Blog: Was fasziniert Sie an der traditionellen Mode?

Wolfgang Joop: Ich habe mich schon immer mit Traditionsmode und Uniformen beschäftigt. Früher hat man mir vorgeworfen, egal was ich entwerfe, es würde immer ein Offiziersmantel herauskommen… (lacht)

Man sieht zum Beispiel beim Dirndl, das in seiner Urform aus dem 18. Jahrhundert kommt, dass es alles, was weiblich ist, unterstützt. Hinzu kommt der Schmuck am Hals, die Accessoires oder auch die derben Schuhe. Dabei hat das Ganze eine recht geerdete Anziehungskraft. Und wenn wir heutzutage immer wieder betonen, wie wichtig uns die intakte Ländlichkeit ist, da kann ich nur sagen: Mir macht es einen riesen Spaß, mit dieser Tradition immer wieder zu spielen und kleine Grenzübertretungen zu inszenieren. Zum Beispiel die Krachlederne einfach lang und schmal zu machen, dazu einen Jancker mit Spitze zu beziehen oder eben das Dirndl rabenschwarz zu gestalten, um ihm einen Punk- oder Night Club-Touch zu geben. Und ich bin zu hundert Prozent davon überzeugt: Auf der ganzen Welt ist man damit der Star!

GALERIA Blog: Was ist das Besondere bei der Alpine Couture?

Wolfgang Joop: Die klassischen, traditionellen Elemente werden übersetzt in eine völlig neue, stetige Haltung – das ist die Besonderheit. Ich hole mir ländliche Elemente und mache sie stadtfein. Gebe dem Ganzen den Coolfaktor und nehme ein wenig von der Herzlichkeit oder Alpenromantik weg. Jede Tracht ist deshalb auch immer ein regionales Kunstwerk, das die Historie einer Gegend widerspiegelt. Somit verbindet „Alpine Couture“ regionaltypische Materialien mit handwerklicher Kunst und praktischen Elementen.

GALERIA Blog: Wie ist der Name „Alpine Couture“ zustande gekommen?

Wolfgang Joop: Die Namensgebung leitet sich im Grunde aus dem Herstellungsprozess ab. Man kennt ja den Ausdruck der „haut couture“, was sich mit dem Begriff „hohe Naht“ übersetzt. Und hohe Naht bedeutet, dass es per Hand hergestellt wurde. Und vieles bei der Alpenmode ist nur durch Handarbeit machbar. Ein echtes Dirndl aus traditionellem Stoff wird beispielsweise auf kleinen Handwebstühlen gefertigt, die Wolle für die Jacken wird gewalkt und die aufwändigen Stickereien auf dem Leder sind nur per Hand möglich, das schafft keine Maschine. Es ist eben ungeheuer viel langsame Handarbeit nötig. Und dieses Handwerk macht den Charme der Trachtenmode aus und ist im Grunde Couture.
So kam der Name „Alpine Couture“ zustande, da die Kollektion „Alpine Couture“ definitiv couturige Ansätze hat.

GALERIA Blog: Wie wird die Reihe fortgesetzt werden?

Wolfgang Joop: Da habe ich noch Unmengen an Ideen! Am liebsten würde ich jetzt auch ein weißes Dirndl-Brautkleid machen. Was cooleres gibt es doch gar nicht! Mit einem langen Schleier, eine aus Cashmere gehäkelte Strickjacke oben drüber, mit kleinen Knötchen und Puffärmeln, ein Kranz auf dem Kopf… Mal sehen, es bleibt spannend!

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