Wein-Guide – Teil 1: Der Weg zum edlen Tropfen

Wein-Guide – Teil 1: Der Weg zum edlen Tropfen

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Einsteiger fühlen sich vor dem Weinregal schnell erschlagen von Namen, Abkürzungen, Rebsorten und vollmundigen Beschreibungen. Oft hilft dann nur der Griff zum Bekannten. Schade nur, dass dann viele herrliche Entdeckungen auf der Strecke bleiben. Unser Wein-Guide gibt einen kompakten Überblick und lädt zu einer genussvollen Entdeckungsreise ein!

Wein ist Mythos, Kulturgut und ein hingebungsvoll zelebrierter Genuss. Die Geheimnisse des vergorenen Traubensafts sind so alt, dass sich Mythos und Geschichte nur schwer auseinanderhalten lassen. Die ältesten Zeugnisse des Weinbaus im Südkaukasus stammen aus einer Zeit, als die Menschen noch mit Werkzeugen aus Holz, Stein und Knochen die kargen Felder bestellten.

Die antiken Griechen führten den Weinbau zur ersten Blüte. In mittelalterlichen Klöstern und an fürstlichen Höfen wurden die Geheimnisse bewahrt und entwickelt. Heute machen Anbaugebiete in Übersee den großen europäischen Weinnationen ernste Konkurrenz. Und neue Genießer-Generationen begeistern sich dafür, zwischen großen Namen und exotischen Entdeckungen, tausendjähriger Tradition und frischen Ideen den eigenen Stil zu verfeinern.

Etwas Grundwissen ist hilfreich, um bei den ersten Entdeckungsreisen die Spreu vom Weizen zu trennen und den eigenen Geschmack besser kennenzulernen. Unser kompakter Wein-Guide gibt Ihnen zunächst einen Überblick über die Weinherstellung vom Terroir bis zum Ausbau und hilft durch den Dschungel von Qualitäten und Prädikaten. 

Nur ein guter Boden macht einen guten Wein 

Was sich als Charakter und Aroma im Glas präsentiert, beginnt in der Erde. Wein ist ein robustes Gewächs und gedeiht unter unterschiedlichsten Bedingungen. Weinbau lässt sich überall betreiben, wo es genug Sonne und Wasser gibt. Die Römer versuchten sich mit mäßigem Erfolg sogar auf den nebligen britischen Inseln. Heute finden sich dank der globalen Erwärmung dort erstklassige Erzeuger, Tendenz steigend.

In Deutschland ist die Nordgrenze des Weinbaus die Saale-Unstrut-Region. Der wahrscheinlich nördlichste Weinberg Europas liegt aber auf einer Schäreninsel vor der schwedischen Küste. Im Süden wird bis an den Rand der afrikanischen Tropen Wein angebaut. Und auf der Südhalbkugel finden sich mit Südafrika und Australien zwei der wichtigsten jungen Weinnationen.

Weil verschiedene Landstriche sehr unterschiedliche Bedingungen bereit halten, wurde die Weinrebe schon in der Antike durch Auslese gezüchtet. Damit entstand die Grundlage für die Rebsorten, die heute mit ihren Namen die Etiketten zieren. Wenn wir von Riesling, Merlot, Cabernet Sauvignon oder Barolo lesen, haben wir die modernen Nachfahren und Kreuzungsprodukte uralter Rebsorten vor uns.

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Sie sind in Anspruch und Charakter perfekt an die Gegebenheiten ihrer Heimat angepasst und gehören untrennbar zu ihrem Terroir: Der deutsche Riesling und die Schieferhänge an der Mosel, der Merlot die mächtigen Lehmböden des Médoc. Manche Rebsorten wie der berühmte Cabernet Sauvignon stellen zwar keine so spezifischen Ansprüche, erhalten aber entsprechend ihrer Herkunft eine einzigartige Ausprägung. Fette und fruchtbare Böden sorgen für volle, mächtige Aromen. Kalk gibt Finesse und Entfaltungspotential im Alter. Karge Böden mit Kies und Schiefer lassen eine fein strukturierte Säure, große Frische und einen eleganten Charakter erwarten. Deshalb ist die geografische Herkunft der erste Anhaltspunkt dafür, welcher Geschmack euch hinter dem Korken erwartet.

Mit der Lage des Weinbergs fängt alles an

Ob und wie ein Wein mundet, hängt also noch vor dem ersten Handgriff des Winzers von der Rebsorte und von der Region ab. Für einen Spitzenwein müssen sehr seltene Bedingungen bei Terroir, Sonneneinstrahlung, Temperatur und Wasserangebot ideal zusammenkommen.

Die besten Hänge von Portugal bis ans Schwarze Meer sind schon seit Jahrhunderten bewirtschaftet. Und stehen mit jedem neuen Jahrgang im Fokus der internationalen Kennergemeinde. Wer einmal das Glück hatte, einen Wein aus einer echten Spitzenlage zu probieren, der weiß, warum für so einen Weinberg höhere Quadratmeterpreise gefordert werden, als für ein Penthouse in einem Münchner Szeneviertel.

Für großen Genuss müssen Sie aber nicht unbedingt die größten Namen bemühen. Bemerkenswerte Qualitätsweine und aufregende Entdeckungen finden sich mit etwas Glück und Geschick selbst im Einsteigerbereich in den einstelligen Preislagen.

Von der Traube zum Spitzenwein: Herstellung und Ausbau

Damit aus der Beere Wein werden kann, braucht es nun Zeit, Wissen und Erfahrung. Am Anfang steht das Maischen. Die Trauben werden zerquetscht, damit der Saft austritt. Möglichst schonend, um keine Bitterstoffe aus den Kernen freizusetzen.

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Beim Keltern wird die Maische ebenso schonend ausgepresst. Damit trennt der Winzer den flüssigen Most vom festen Anteil, dem Trester, der vor allem aus Schalen und Kernen besteht.

Die Gärung wird durch Hefepilze in Gang gebracht. Sie verwandeln den Zucker in Alkohol. Wenn der gesamte Zuckeranteil vergoren wird, endet die Gärung natürlich und das Ergebnis ist ein trockener Wein mit kaum Restzucker. Für halbtrockene und liebliche Weine mit hohem Restzuckergehalt unterbricht der Winzer die Gärung vor ihrer Vollendung.

Weißweine werden erst gekeltert und dann als flüssiger Most vergoren. Beim Rotwein wird die Maische mitsamt Schalen und Kernen vergoren und erst danach ausgepresst. In den Schalen befindet sich nämlich der Hauptanteil des roten Farbstoffs, der für die dunkle Färbung verantwortlich ist. Für Roséwein werden rote Trauben in der gleichen Methode wie Weißwein verarbeitet.

Hefepilze kommen natürlich an den Traubenschalen vor und waren im Altertum für die Gärung verantwortlich. Heute verwenden Winzer in der Regel Reinzuchthefen mit den besten Eigenschaften für den gewünschten Gärverlauf. In alten, traditionellen Kellern wird die Gärung oft durch die einzigartigen Hefekulturen eingeleitet, die seit Generationen in diesem einen Weinkeller zu Hause sind. So ist die eigene Hefe eines von vielen Geheimnissen, die dem Wein seinen ureigenen Charakter gibt.

Der Wein ist jetzt fast fertig. Er muss aber noch reifen, um seinen Charakter zu entwickeln. Die Reifezeiten unterscheiden sich deutlich je nach Richtung und Komplexität. Ein frischer, spritziger Weißwein liegt nur drei Monate in einem Fass aus Edelstahl. Ein typisches Beispiel sind berühmte deutsche Sorten wie Riesling, Grauburgunder oder Müller-Thurgau. Um auf diese Art einen großen Wein zu kreieren ist enormes Fingerspitzengefühl nötig.

Komplexe und tiefgründige Rotweine aber auch manche Weiße werden bis zu mehreren Jahren in einem oder verschiedenen Fässern – den Barriques – ausgebaut. Die Wahl der richtigen Fässer ist eine eigene Kunst, in der jeder Kellermeister die eigene Handschrift finden muss. Aus dem Holz nehmen sie verschiedene Noten auf und entwickeln die komplexe Komposition von Aromen, die einen großen Charakter ausmacht.

Schließlich werden oft verschiedene Partien mit unterschiedlichem Ausbau und auch verschiedene Rebsorten zu einem Cuveé komponiert. Ein Paradebeispiel für diese Kunst der perfekten Mischung ist der Bordeaux-Stil, der den Ruhm des französischen Rotweins begründet.

Den Überblick behalten: Qualitätsweine und Prädikate

Zur besseren Orientierung beim Kauf gibt es verschiedene Prädikate und Qualitätsstufen, die helfen, eine erste Kaufentscheidung zu treffen. Unten angesiedelt sind die Tafelweine. Hier ordnen sich viele Produkte ein, die vor allem über ihren Markennamen und einen großen Werbeaufwand funktionieren. Landweine müssen ihre Herkunft grob nachweisen können. In Europa besitzt die Kategorie der Landweine meist eine IGP-Kennzeichnung. Hier finden sich durchaus trinkbare, solide Qualitäten, aber noch keine wirklich großen Weine.

Echten Charakter finden Sie bei den Qualitätsweinen. Die haben eine geschützte Ursprungsbezeichnung, die es in Europa für alle Arten landwirtschaftlicher Erzeugnisse gibt. Beim Wein ist sie wegen der Bedeutung von Anbaugebiet und Lage aber von herausragender Bedeutung. Sie garantiert, dass ein Wein aus einer bekannten Weinbauregion stammt: Und lässt eine erste Erwartung an den Inhalt einer Flasche zu.

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In Deutschland heißt so ein Wein, der garantiert aus einem der dreizehn renommierten Anbaugebiete stammt, schlicht Qualitätswein. In Frankreich entspricht das der Bezeichnung Appellation d’Origine Protégée, kurz AOP. Für Spanien, Italien und Portugal ist die entsprechende Abkürzung DOC.

Innerhalb der Qualitätsweine hat fast jedes Weinland noch ein eigenes System von Qualitätsstufen, die historisch gewachsen und nicht immer direkt übertragbar sind. Über den einfachen deutschen Qualitätsweinen sind die Prädikatsweine angesiedelt: Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese und Trockenbeerenauslese, als Spezialität außerdem der Eiswein. In Frankreich achtet man vor allem auf den Namen des Weinguts – das Chateau – oder der Weinbergslage. Ganz oben stehen dabei die Grand Crus, die großen Gewächse. Die Franzosen machen es Einsteigern allerdings schwierig, da sich verschiedene Winzer oft die Erträge einzelner Lagen teilen und auch von Spitzenlagen ganz unterschiedliche Qualitäten resultieren können. Da hilft nur eigene Erfahrung und eine gute Quelle.

In Spanien beziehen sich die Stufen insbesondere auf die Fasslagerung und die Reifezeit während des Ausbaus im Holzfass (Barrique): Vom Vino Joven ohne Barrique-Ausbau über die Crianza bis zu Reserve und schließlich zur Gran Reserva – dem Glanzstück eines spanischen Weinguts. Ähnlich funktionieren die Prädikaten Riserva und Vecchio im italienischen Weinbau. Superiore und Classico kommen in manchen Regionen noch einmal als spezielle Prädikate dazu. Italien ist auch speziell, da viele sehr spannende Winzer sich bewusst für die weniger hoch angesehen IGP-Kennzeichnung entscheiden, weil die Vorgaben für eine DOC den Stil zu rigide einschränken würden.

Wenn Sie sich bewusst für einen Wein aus einem bestimmten Land interessieren, lohnt es sich, die dort verwendeten Prädikate näher zu betrachten. So wissen Sie schon einmal, welchen Anspruch der Winzer bei der Herstellung an sein Produkt stellt. Aber ob ein Wein Ihnen wirklich schmeckt, wissen Sie erst, wenn Sie den ersten Schluck genommen haben! Aus welchem Land die Deutschen am liebsten ihren Wein beziehen, sieht man hier:

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Wein ist eine Wissenschaft, die zu erforschen großen Spaß macht. Lassen Sie sich darauf ein und machen Sie erstaunliche Entdeckungen in einer Welt, in der Genuss zum Alltag gehört! Mehr Informationen rund um den Wein finden sie in unserem Wein-Kaufberater.

Hier geht es zum zweiten Teil unseres Wein-Guides.

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