Wein-Guide, Teil 2: Wo es die süßtesten Trauben gibt

Wein-Guide, Teil 2: Wo es die süßtesten Trauben gibt

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| Peter Tags: |
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Wer gern einen guten Tropfen genießt, darf genussvoll in die Vielfalt der Rebsorten eintauchen. Lesen Sie hier, was die großen Weinnationen vorrangig ausmacht. Und lassen Sie sich zu überraschenden Entdeckungsreisen inspirieren: Im zweiten Teil unseres Weinguides! 

Die Weinwelt ist groß, aufregend – und nicht eben übersichtlich. Typisch für den Einsteiger ist der Griff zu einem Namen, den man schon vielfach gehört hat. Und die Entscheidung für bekannte Marken und Sorten, mit denen man schon früher nicht viel falsch gemacht hat.

Das funktioniert, aber gleichzeitig entgehen Ihnen so viele interessante Erfahrungen. Der zweite Teil unseres Wein-Guides widmet sich in aller Kürze den wichtigsten Herkunftsländern und Rebsorten, um die Qual der Wahl zu lindern und ein wenig Licht in die Menge der Namen zu bringen.

Angesichts der Fülle historischer Entwicklungen und lokaler Traditionen, die alle ihren speziellen Wert besitzen, ist ein so kleiner Überblick – wie auch schon der 1. Teil des Wein-Guides – nur ein Tropfen in einem großen Meer. Doch ein sehr edler Tropfen, der Lust auf mehr macht!

Grundwissen von Weiß bis Rot

Rot oder Weiß ist meist die Hauptfrage vor der Auswahl. Weißweine werden vollständig aus weißen Trauben gekeltert. In der Regel sind sie eher leicht und frisch. Die durchschnittliche Trinktemperatur liegt bei ca. 18 Grad und sie passen hervorragend in den Sommer. Klassische Weißweine gefallen auch bei halbtrockenem Charakter mit ihren mineralischen Noten und einer eleganten Säure. Wer hier gleich an Riesling denkt, könnte nicht richtiger liegen.

Rotweinreben - ©-Michael-RognerRote Weine haben nicht nur eine dichtere, dunklere Farbe, sondern spiegeln das in der Regel auch in einem komplexen Charakter wieder. Die aromatische Tiefe stammt zum Teil aus den Tanninen, den Gerbstoffen, die in der Beerenschale und den Kernen konzentriert sind. Rotwein wird als Maische zusammen mit Schalen und Kernen vergoren. Dazu kommt bei vielen Rotweinen noch der Ausbau im Eichenholzfass, der weitere, tiefgründige Noten hinzufügt. Viele Rotweine haben dadurch ein hohes Alterungspotential und erreichen nach mehreren Jahren Reifung eine großartige, ausgewogene Komplexität. Das Paradebeispiel dafür ist der Wein im französischen Bordeaux-Stil.

Rosé-Weine sind Weine aus roten Trauben, die nach Weißweinart gekeltert werden. Hier wird nur der Most ohne Schale und Kerne vergoren. So entstehen die leichten, eleganten, rötlichen Weine, die sich ähnlich dem Weißwein genießen lassen. Häufig kursiert das Gerücht, ein Rosé-Wein wäre eine Mischung aus Rot- und Weißwein. Das gibt es auch, heißt aber anders: In Deutschland werden solche Weine Rotling genannt. Außerdem werden in manchen traditionellen Cuveés, also Weinen, die aus mehreren Rebsorten bestehen, auch manchmal Rot- und Weißweine kombiniert: So kann der italienische Chianti Classico bis zu 10 Prozent Weißweintrauben enthalten.

Obwohl die Farbe den Charakter stark bestimmt, gibt es auch Weißweine mit intensivem Charakter und Rote, die durch ihre leichte Eleganz bestechen. Es kann sich lohnen, statt nach rot oder weiß je nach Laune oder Anlass eher nach „leicht und fruchtig“, „frisch und elegant“ oder „komplex und tiefgründig“ zu suchen.

Genuss vor der Haustür: Große Weine aus Deutschland

Deutschland ist vor allem für seine eleganten Weißweine bekannt. Und hier an erster Stelle für den einzigartigen Riesling. Der trockene, mineralische Charakter mit seiner edlen Säure ist das Aushängeschild der wertvollsten Lagen an der Mosel und im Rheingau. Ganz nebenbei ist der Riesling auch die Grundlage für die große Sekttradition des Landes.

Zu den berühmtesten hellen Rebsorten gehört auch Müller-Thurgau. Der Wein, der auch für Einsteiger sehr zugänglich ist, wird auch als Rivaner bezeichnet. In hohen Qualitäten überzeugt Müller-Thurgau durch seine frische Milde bei schöner Frucht.

Weißwein - ©-Igor-Normann

Von Mosel bis Unstrut ist der Silvaner als zarter, harmonischer Weißwein oft zu finden. Ein sehr attraktives Frucht- und Säurespiel und eine elegante Präsenz schätzen Kenner an der modernen Form des Grauburgunders. Die edle Traube ist in Frankreich als Pinot Gris und in Italien als Pinot Grigio bekannt.

Bekannte Rotweinsorten sind in Deutschland seltener. Mit dem jungen Dornfelder hat sich aber eine Sorte schon weltweite Beliebtheit erarbeitet. Geringe Säure, dunkle Beerenaromen und eine tiefrote Farbe zeichnen einen sortenreinen Dornfelder aus.

Auch der Spätburgunder zählt zu Deutschlands beliebtesten Roten. Die Edelrebe, auch als Blau- oder Schwarzburgunder bekannt, stammt aus Frankreich und heißt ursprünglich Pinot Noir. Spätburgunder sind dunkel in der Farbe, körperreich und gehaltvoll, sind jung toll genießbar und können auch großartig altern.

Frankreich: Die Grand Dame der Weinnationen

Der französische Wein hat weltweit einen besonderen Status. Mehr, als in allen anderen Weinnationen ist der Weinbau in Frankreich untrennbarer Teil von Kultur und Geschichte. Körperreiche, charaktervolle Rotweine sind für den französischen Weinbau bezeichnend. Dafür werden verschiedene Rebsorten kunstvoll kombiniert – ein Handwerk, das eher den Titel „Komposition“ verdient, als die professionelle Bezeichnung „Verschnitt“ – „Cuveé“ auf französisch.

So entstehen die berühmten Weine im Bordeaux-Stil, unter denen auch heute noch die am meisten geschätzten und teuersten Weine weltweit zu suchen sind. Doch auch für den sehr überschaubaren Geldbeutel und den einfachen Genuss für jeden Tag lassen sich bei den großen Franzosen lohnende Entdeckungen machen. Einsteiger tun sich mit einem komplexen Bordeaux allerdings oft erstmal schwer. Die Tiefe und Vielfalt der Aromen wirkt schnell überwältigend und wirkt dann nur noch heftig und derb. Hat der Gaumen die Vielfalt aber erst einmal geordnet, eröffnen sich geschmacklich ganz neue Welten!

Zur Basis für die großen Rotweine aus Frankreich gehört der Merlot. Er ist weich und sehr zugänglich, mit einer vollmundigen Frucht, die stärker an Pflaume als an Beeren erinnert. Ihr gegenüber steht der Cabernet Sauvignon. Gemeinsam sind sie auch international die am weitesten verbreiteten roten Trauben. Cabernet Sauvignon verdankt seine Bedeutung nicht zuletzt dem intensiven Duft, in dem unverkennbar die schwarze Johannisbeere dominiert. Gemeinsam mit Cabernet Franc, Malbec, Carménère und selten Verdot bilden sie die Cuveé-Partner für einen echten Bordeaux. Den kräftigen Cabernet Franc und den würzig-intensiven Malbec gibt es ebenso, wie Cabernet Sauvignon in Frankreich nur selten sortenrein. Anders den tanninarmen Carmenère mit seinen warmen Tönen von Schokolade, Tabak und Leder.

Bemerkenswerte Weißweine aus Frankreich gibt es natürlich ebenfalls. Zu erwähnen sind vor allem der Chenin Blanc und der Chardonnay. Diese großen Sorten haben von Frankreich aus die Welt erobert und belegen international Spitzenplätze unter den beliebtesten Rebsorten.

Italien und Spanien: Mediterrane Weintradition

Weingut in Spanien - Fotolia - ©-ALCEWer über die großen europäischen Weinnationen spricht, darf Italien und Spanien nicht übergehen. Wie alle Mittelmeerländer haben sie eine uralte und ausgeprägte Weinkultur. Die Weinbaulandschaft Italiens ist von enormer Sortenvielfalt geprägt. Berühmtheiten gibt es einige. Am bekanntesten ist wohl der Chianti aus der Toskana zwischen Florenz und Siena und seine Hauptrebsorte Sangoviese. Der Chianti Classico ist ein fruchtiger, blumiger, frischer Rotwein mit schön ausgewogener Würze. Zu unterscheiden ist davon die weiträumige Herkunftsbezeichnung Chianti DOCG, wo sehr unterschiedliche Charaktere und Qualitäten üblich sind.

Etwas weniger bekannt, aber unbedingt eine Entdeckung wert ist der Barolo, der seine Heimat im Piemont hat. Grundlage für einen Barolo ist der rote Nebbiolo. Kleine Weingüter bauen Barolo heute gern spannend im Bordeaux-Stil aus. Da sie damit oft nicht mehr den engen Kriterien der DOC entsprechen, gibt es beim Barolo oft wundervolle Entdeckungen unter der niedriger angesiedelten Kennzeichnung IGT. Das ist für italienische Weine generell nicht untypisch.

Auch in Spanien lassen sich großartige, gehaltvolle Rotweine entdecken. Die Hauptrebsorten heißen hier Garnacha – spanisch für die französische Grenache – und vor allen Dingen Tempranillo. Tiefrot, würzig und mit herrlich weichen Tanninen lässt er sich schon früh trinken und hat doch ein enormes Lagerpotential für den Barriqueausbau. Das zeigen nicht nur die charakterstarken Gran Reservas des sortenreinen Tempranillos. Besonders im bekanntesten spanischen Wein, dem Rioja, entfaltet Tempranillo im Zusammenspiel mit Garnacha sein überwältigendes, sonniges Temperament.

Das Gute aus der Ferne

Neben den alten Weinnationen von Europas Atlantikküste bis nach Kleinasien bestimmen heute auch große Herkunftsländer in Übersee das Angebot im Weinregal. Die größten Anbauländer jenseits von Europa sind Chile, Südafrika, Australien, Neuseeland und die USA, insbesondere Kalifornien.

Diese Länder sind als Weinnationen noch relativ jung, haben aber durch ihre einzigartigen Klima- und Terroirbedingungen oft schon einen wiedererkennbaren Stil entwickelt. Charakteristisch ist, dass „Überseeweine“ öfter sortenrein hergestellt werden. Die Betonung liegt dabei oft mehr auf dem Charakter von Klima und Terroir, als auf der Rebsorte.

Im Anbau dominieren einige große, weltweit führende Rebsorten. Unter den Weißen ist das vor allem der körperreiche und aufregend vielseitige Chardonnay, der auch hervorragend das Terroir abbildet. Sortenreiner Chenin Blanc ist wegen seinem Potential zu charaktervollen Süße und ebenso schöner Säure international als Weißwein sehr beliebt.

Bei den Rotweinen finden sich berühmte Franzosen wie Cabernet-Sauvignon, Merlot und der nach Johannisbeeren duftende Syrah als sortenreine und interessante Charaktere. Ein Syrah aus Australien kommt als Shiraz zu uns. Zinfandel wird gern in Kalifornien angebaut und verwöhnt mit seinen würzigen, dunklen und intensiven Aromen.

Während Sie all die verschiedenen Rebsorten studieren, sollten Sie eins nicht vergessen: Gießen Sie sich ein Glas ein, denn selbst probieren ist immer noch am schönsten!

Teaser-Foto: Fotolia ©-doris-oberfrank-list

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