Der Jeans-Guide: Facts, Basics und Know How rund um Jeans und Denim

Fast anderthalb Jahrhunderte reicht die Geschichte der Jeans zurück. Ihre Erfinder Jacob Davis und Levi Strauss schneiderten die ersten Jeans für die kalifornischen Goldschürfer. Davis erfand damals die Methode, kritische Nähte mit Nieten zu verstärken: Die Geburtsstunde der Levi’s 501.


Die ersten Jeans bestanden noch aus dem damals überall verfügbaren Segeltuch und waren nicht blau, sondern braun und ockerfarben. Strauss und Jacobs suchten einen festeren Stoff, der den harten Anforderungen des Alltags auf den Goldfeldern und Rinderranches gewachsen war. Sie fanden ihn in den Baumwollwebereien im französischen Nîmes. Die Herkunft des Stoffes aus Nîmes – französisch "serge de Nîmes" – gab ihm auch seinen heutigen Namen: Denim. Der Stoff wurde indigoblau eingefärbt und machte sich auf, eine Modelegende zu werden.

Der Name, unter dem wir die Hosen heute kennen, hat noch einen anderen Ursprung. Die ersten Hosen aus dem robusten Köpergewebe wurden im italienischen Genua hergestellt. Von "genuese" leitet sich "Jeans" ab. Da ist es sehr passend, dass die Modemetropolen von Norditalien auch heute zu den besten Adressen für die schicke Blaue zählen.

Zurück in den Wilden Westen: Wer hart arbeitete, und das war in diesen Zeiten fast jeder, der wusste die robusten und bequemen Hosen sehr zu schätzen. Farmer, Cowboys, Holzfäller und Eisenbahnarbeiter waren von der Haltbarkeit begeistert und verbreiteten die Erfindung von der Westküste über die Farmen des Mittleren Westens bis ins ferne New York.

Den letzten, großen Schritt machte die Bluejeans dann Ende der Dreißiger. Bis dahin war sie eine reine Arbeitshose. Jetzt begann auch die feinere Gesellschaft ihren Look zu schätzen. In den Sechzigern erreichte die Jeans als Wahrzeichen der rebellischen Jugend endlich die Unsterblichkeit, die bis heute nicht verblasst.

Heute trägt sie jeder – vom Maurer bis zum Anwalt. Auf der Feierabendcouch, in der Clublounge und im Freitagsdresscode fühlt sie sich zu Hause und verströmt die selbe robuste und lässige Coolness wie schon vor hundert Jahren.

Der Stoff, aus dem die Kulthosen sind

Denim ist ein bemerkenswertes Gewebe. Seine vorteilhaften Eigenschaften haben viel zum Erfolg der Jeans beigetragen. Die hochwertigen Baumwollfäden werden in der dichten Köperbindung gewoben. Köper, auch als Twill bekannt, besitzt von den drei Grundbindungsarten in der Weberei die höchste Robustheit.

Eine optische Besonderheit von Denim ist der schräg laufende Grat. Er entsteht durch den kontinuierlich versetzten Webrhythmus, in dem die seitlich laufenden Schussfäden über und unter den längs laufenden Kettfäden geführt werden. Für die Kettfäden werden im ursprünglichen Denim ungefärbte Garne verwendet und nur die Schussfäden sind mit Indigo eingefärbt. Das erzeugt die Stoffstruktur einer klassischen Blue Jeans, die mit ihren schräg laufenden Linien schon von Grund auf eine widerborstige Unangepasstheit ausstrahlt.

Bei entsprechender Wertigkeit des Garns ist der Stoff sehr abriebfest und widerstandsfähig. Das verleiht einem guten Paar Jeans jene erstaunliche Langlebigkeit, mit der die Denimhosen ihren Besitzer durch ganze Lebensabschnitte begleiten können.

Von Blue Jeans und Nietenhosen

Der Name Blue Jeans kommt von der Farbe, in der die ersten Jeans ausschließlich zu haben waren: Strauss und Davis verwendeten Denim, der mit Indigoblau eingefärbt war.

Gemeinsam mit den typischen, gelb-orangen Nähten mussten die allerersten Levi’s schon ziemliche Eyecatcher gewesen sein. Ob schon bei den allerersten Chargen nur die Schussfäden blau gefärbt und die Kettfäden weiß waren, ist allerdings unbekannt.

Zum typischen Erscheinungsbild der Blue Jeans gehören die ausgeblichenen Stellen an Knien, Sitzfalten und Gesäß. Die entstehen, weil der Faden nicht ganz durchgefärbt ist. Wird die Oberfläche strapaziert, scheint an den entsprechenden Stellen immer mehr von der hellen Ursprungsfarbe durch.

Im klassischen Tragestil ist eine neue Jeans zunächst komplett gefärbt und erhält ihre Optik während sie getragen wird. Wo der Stoff besonders beansprucht wird, zeigen sich nach dem Waschen Sitzfalten und ausgebleichte Zonen. Damit ist jeder Look absolut individuell und einzigartig.

Weil die Denimfans heute etwas ungeduldiger sind, kommen die meisten Jeans inzwischen vorgewaschen. Dann laufen sie auch nicht mehr ein. So ist es, von speziellen Vintage-Editionen abgesehen, heute auch nicht mehr üblich, mit der engen Jeans zu baden und sie dann trocken zu tragen.

Der ausgeblichene Effekt kann erreicht werden, indem die Hosen zusammen mit großen Steinen gewaschen werden. Viele Hersteller, vor allem im Discountsektor, machen es sich allerdings leichter und sparen Kosten, indem sie die Hosen durch Sandstrahlen ausbleichen lassen. Dadurch wird nicht nur der Stoff stärker in Mitleidenschaft gezogen. Weil bei vielen Zulieferern auch am Arbeitsschutz gespart wird, gefährdet die Methode extrem die Gesundheit der Arbeiter und sollte vollständig vermieden werden.

Zum Erscheinungsbild der Blue Jeans gehören auch die Nieten. Sie garantierten für Goldsucher und Viehtreiber im Sattel die Haltbarkeit der besonders belasteten Nähte. Schneider Jacob Davis verwendete die Technik auch für Taschen und andere Produkte aus seiner Werkstatt. 

Heute besitzen die Fäden eine höhere Haltbarkeit. Zugleich sind die Hosen im Bürosessel und auf dem Fahrradsattel weniger Beanspruchung ausgesetzt als in den kalifornischen Goldgruben. Doch die Nieten sind nach wie vor eine Grundzutat, ohne die einer echten Five-Pocket-Jeans ein Teil ihres Charakters fehlen würde.

Wie die Jeans gewaschen werden

Denim ist insgesamt ein pflegeleichter Stoff. Für die Wäsche gibt es unter Enthusiasten zwei gegensätzliche Philosophien: Die einen waschen ihre Lieblingshosen immer porentief rein, die anderen nach Möglichkeit gar nicht.

Wer seine Jeans als Ausgeh-Outfit piekfein wünscht, darf sie nach jedem Tragen in die Wäsche werfen. Dann muss derjenige aber damit leben, dass die Farben schneller ausbleichen und auch das Gewebe schneller ermüdet. Die Wäsche auf links gedreht schont die Farben. Das Ausbleichen wird damit aber nicht verhindert. Besonders ärgerlich ist das beim edlen, tiefdunklen Black Denim, dessen Look sich nicht gut mit den typischen Abnutzungsspuren verträgt. 

Wer seine Jeans ein halbes Leben tragen möchte, macht es wie Levi’s-Chef Chip Bergh. Berühmt ist seine Ansage, die Lieblingsjeans nie im Leben in die Waschmaschine zu legen. Flecken werden maximal mit weicher Bürste und wenig Seife entfernt. Gegen das Müffeln nach dem nächtlichen Clubbing kommt die Jeans einen Tag lang in die Tiefkühltruhe. Dabei geht alles ein, was unangenehme Gerüche verursacht. Auch der Straßenstaub lässt sich einfach ausbürsten. So kann eine gute Jeans zum lebenslangen, treuen Begleiter werden, wenn Sie darin nicht täglich zur Arbeit ins Bergwerk reiten.