Musikunterricht ab dem Kindergartenalter: Sinnvoll oder nicht?

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Viele Eltern wünschen sich, ihre Kinder so früh wie möglich mit der wunderbaren Welt von Klängen, Rhythmen und Instrumenten in Kontakt zu bringen. Der Musikunterricht ist ab dem Kindergartenalter in vielen Familien ein wichtiges Thema. Lest hier, welche Fragen ihr euch im Vorfeld stellen könnt, um für den kleinen Musikanten einen guten Rahmen zu schaffen!

Wenn wir uns das Beste für unsere Kids wünschen, lohnt es sich, etwas genauer hinzuschauen. Dabei stellen sich erst einmal ganz andere Fragen, als die, ob es eher das Klavier oder die Geige sein soll. Was bringt Kinder weiter, was hilft ihnen, sich zu entwickeln und ihre Möglichkeiten kennenzulernen? Wo setzen wir sie mit unseren eigenen Ansprüchen und Vorstellungen eher unter Druck und behindern dabei die Entwicklung natürlicher Bedürfnisse und Fähigkeiten? Und welche Umgebung hilft dabei, ihre Musikalität entfalten zu lassen?

Wenn Eltern sich über musikalische Frühförderung und Musikunterricht ab dem Kindergartenalter Gedanken machen, sollten sie diese Fragen offen stellen. Wie lässt sich der Kontakt mit der Musik in den frühesten Lebensjahren gestalten? Was möchten wir den Kindern mitgeben, was wünschen wir ihnen? Und was wünschen sich die Kinder eigentlich selbst?

Die letzte Frage ist besonders interessant. Denn Kinder wünschen sich, was sie kennen und als schön und attraktiv erlebt haben. Damit Musikunterricht ab dem Kindergartenalter ohne Zwang funktioniert, muss die selbstgemachte Musik im Umfeld der Familie ebenfalls eine Rolle spielen. Formen dafür gibt es viele – auch für überzeugte Nicht-Musiker.

Kompetenzen, die gut klingen

Musik ist mehr, als nur ein schönes Stück Kultur. Überraschend viele wichtige Kompetenzen sind beteiligt, wenn Menschen allein oder gemeinsam einem Instrument Töne und Rhythmen entlocken. Es gibt viele auf den ersten Blick recht „unmusikalische“ Gründe, sich für den Musikunterricht ab dem Kindergartenalter zu interessieren.

Musik entwickelt das Körpergefühl. Wer musiziert, macht Geräusche mit seinem Körper, mit Händen und Fingern, Kopf und Bauch. In einem Rhythmus als Abfolge aufeinander bezogener Betonungen steckt gelebte Mathematik. Studien zeigen: Wer musiziert, rechnet später mit mehr Geschick und Vergnügen.

Viele erleben den Zauber der Musik als emotionale Gelöstheit und Freiheit zum eigenen Ausdruck. Jeder Ton bringt etwas von uns selbst nach draußen, macht uns hörbar und erlebbar. Dieser Moment steht zwar noch nicht am Anfang, aber je eher sich die Kinder auf den Weg machen, desto früher erleben sie, wie ihre Umwelt sich durch ihr Tun berühren lässt und verändert: eine seltene und kostbare Erfahrung.

Ebenso kostbar ist das Erlebnis, etwas zu üben und dadurch Kompetenz zu erreichen. Ein einfaches Stück nach einigen Wochen fast ohne Fehler spielen, das ist ein aufregendes Erlebnis, das sich ebenso auf viele andere Lebensbereiche übertragen lässt, Mut und Motivation schafft, nicht so schnell aufzugeben.

Schließlich spielt auch im Musikunterricht ab dem Kindergartenalter das gemeinsame Musizieren schon eine Rolle. Spielerisch, aber unüberhörbar klingen Kinder zusammen. Es kommt auf jeden Einzelnen an und keiner wird überhört. Diese Erfahrung legt ebenfalls eine wertvolle Basis, die sich später in vielen Momenten wertvoll erweisen kann.

Und dann wäre da noch das einfachste Argument, früh mit der Musik anzufangen: im jungen Alter lernt es sich einfach am leichtesten. Später ist der Kopf schon angefüllt und viele Strukturen und Gewohnheiten sind gefestigt. Dann fällt der Einstieg in die Musik viel schwerer. Das sagt einer, der mit 16 völlig unerwartet Lust bekam, Klavier zu lernen. Ich konnte leider selbst nach zwei Jahren nur einfache Stücke begleiten.

Gute Musik braucht einen schönen Rahmen

In meiner Familie musste jemand als Tochter eines strengen Kirchenkantors täglich mehrere Stunden Cello üben. Sie hat es, gelinde gesagt, nicht sehr genossen. Das Cello liebt sie heute trotzdem sehr. Ihre Liebe zur Musik hatte aber erstmal einen tiefen Riss bekommen. Ob der Musikunterricht ab dem Kindergartenalter Genuss oder Verdruss wird, hängt von der Gestaltung ab. Und die wiederum von der Aufmerksamkeit und den Erwartungen der Eltern.

Zum Glück ist das strenge, disziplinierte Pauken, mit dem unter Schmerzen Genies und Virtuosen geschmiedet werden, mittlerweile eher Ausnahme als Regel. Wer meine Beiträge verfolgt, weiß, dass ich generell dafür plädiere, die Kleinen ihre Entscheidung selbst treffen zu lassen. Dann tun sie es aus einem guten Grund, nämlich, weil sie damit ein eigenes Bedürfnis erfüllen und nicht nur die Bedürfnisse ihrer Eltern, so gut die gemeint sein mögen. Der Schlüssel dafür ist, eine Umgebung zu schaffen, in der diese Bedürfnisse geweckt werden und auch Raum haben, um sich zu entfalten.

Es gibt viele, spannende Konzepte, um Kinder spielerisch und in attraktiver Umgebung mit Musik und Instrumenten in Kontakt zu bringen. So können sie ihre ersten Erfahrungen machen. Das passiert dann oft ganz ohne Druck und ohne das Gefühl eines unausgesprochenen Zwangs, der zunächst nur Widerstand produziert.

Informiert euch an den örtlichen staatlichen und freien Musikschulen, in der Kita, im Stadtteilverein und im Mütterzentrum. Freie Musikpädagogen/-innen bieten in solchen Räumen Kurse wie das Instrumenten-Karussell oder den Musikgarten an. Auch bei vielen Frühförderungsangeboten wie Pekip spielen Lieder und Klänge schon eine zentrale Rolle. Wer die Liebe zur Musik fördern will, springt vor allem erst einmal über seinen Schatten und singt jeden Tag Kniereiter und Einschlaflieder.

Schritt für Schritt experimentieren die Kids später mit selbstgemachten Klängen, die je nach Lust und individueller Begabung ihre eigenen Formen annehmen. In der warmen und geschützten Umgebung mit ihren zahllosen Anregungen und Einladungen kann sich der Musikant im Kind am schönsten zeigen.

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