Brettspiele ab 2 Jahren: Würfeln mit Zwergen

Dir gefällt der Beitrag? Dann teile ihn mit Freunden, Familie und Bekannten! Mit dem Klick auf den Social Media Button wirst du zu dem jeweiligen Netzwerk weitergeleitet und gestattest die Datenübermittlung an die Betreiber der sozialen Netzwerke.

Brettspiele mit Kindern ab 2 Jahren? Geht doch gar nicht, oder? Die können ja noch nicht mal den Würfel richtig lesen. Das denken viele Eltern und verpassen deswegen ein paar tolle Spielmöglichkeiten, die für Groß und Klein sehr viel zu bieten haben. Hier lest ihr, wie schlaue Spieleerfinder auch ohne die klassischen Würfelaugen von Eins bis Sechs spannende Ideen konstruieren. Ihr erfahrt, warum Brettspiele gerade für Kleinkinder eine fantastische Beschäftigung sind und bei welchem Verlag die meisten Brettspiele ab 2 Jahren zu finden sind.

Mensch ärgere dich nichtVon eingefleischten Brettspielfans höre ich öfter, dass mit Kindern unter drei oder vier Jahren noch keine „richtigen“ Spiele funktionieren. Als klassische Untergrenze gelten „Mensch ärgere dich nicht“ und das bei vielen Erwachsenen gefürchtete „Memory“. Wer dafür noch zu klein ist, kann eben noch keine Brettspiele spielen. Die einfachen Zahlen müssen verstanden werden und ein grundlegendes Verständnis für konstante Abläufe, Spielziele und Regeln muss ebenfalls vorhanden sein.

Mit zwei Jahren sind viele dieser Grundkompetenzen noch nicht so ausgereift, wie es die meisten Kinderspiele erfordern. Dazu kommt, dass ein Brettspiel ein haptisches Erlebnis sein will. Würfel, Marker und Steinchen wollen gesetzt, gesammelt und sinnvoll verschoben werden. Und sobald farbiger Kleinkram im Spiel ist, steht aus guten Gründen „Wegen Kleinteilen nicht für Kinder unter 36 Monate geeignet“ auf der Verpackung. Schon deshalb machen sich die wenigsten Verlage die Mühe, Spiele zu entwickeln, die für ein Publikum geeignet sind, das gerade gelernt hat, verständlich die Worte „Was spielen!“ auszusprechen.

Und doch gibt es sie, die Brettspiele für Kinder ab 2 Jahren. Und das ist sehr gut so. Denn alles, was ein gutes Brettspiel ausmacht – sinnvolle Abläufe in einer kleinen, faszinierenden Welt, vielfältige Interaktion, Überraschungen und das spannende Verhältnis von Erfolg und Misserfolg – ist für die Kleinen hochinteressant. Mit zwei Jahren sind viele Entwicklungsetappen noch offen und die Kinder bauen die Erfahrungen auf dem Spielbrett gerne und gewinnbringend in ihr Weltverständnis ein. Soviel zum pädagogischen Vorteil. Es macht einem Zweieinhalbjährigen aber auch wahnsinnig Spaß, den Matrosen ein Feld vorzurücken und zu hoffen, dass er noch rechtzeitig das Schiff erreicht. Ihr werdet sehen, nach einigen Partien übernehmen die Kleinen die Vorbereitung selber.

Geschickt gestaltet sind Brettspiele ab 2 Jahren sogar für die Eltern witzige Spielerlebnisse. Ich würde zwar keinen der Titel für meine Abendrunde aus dem Regal holen. Aber mit meinem kleinen Patenkind steht bei jedem Besuch mindestens eine Partie „Matze“ auf dem Programm. Sonst fehlt mir was.

Begreifbare Gestaltung

Damit die Jüngsten richtig mitspielen können, müssen das Spielgeschehen und das Material für sie verständlich und (be-)greifbar sein. Der Glücksfaktor muss eine wichtige Rolle spielen, damit Erwachsene und kleine Kinder auf Augenhöhe sind. Auch bei kooperativen Spielen ist das wichtig, damit nicht nur die Großen für den Erfolg verantwortlich sind, sondern alle am Spielgeschehen teilnehmen. Das ist eins der Erlebnisse, die eine Spielpartie zur prägenden Erfahrung machen.

Der Würfel ist der einfachste Zufallsgenerator. Die Zahlen werden einfach durch Farben ersetzt. Mit dem Farbwürfel können die Kleinsten selbst leicht das Ergebnis verstehen. Farben auf dem Spielfeld machen die Zuordnung des Ergebnisses einfach. Eine sehr schöne, geistige Herausforderung für die Zwerge.
Auf dem Spielfeld gibt es Felder, Zonen oder Landschaften, die simple Aufgaben erfüllen. Für die Kleinen ist es reizvoll, allmählich zu erkennen, welche Rolle Grenzen, Linien und Flächen spielen. Sie beginnen, das kleine Stück Welt sinnvoll zu strukturieren. Personen und Objekte ordnen sich darauf an und das Feld wird zum Raum für verschiedene, bedeutende Abläufe. Eine schöne Übung, die sich später gut auf die Außenwelt übertragen lässt.
Matze geht dann auf dem Weg nach vorn. Er geht zu der Farbe, die der Würfel zeigt, und nicht woanders hin. Sich darauf zu einigen, ist ein wichtiger Teil der Spielfindung. So viel Leben auf einem kleinen Stück Karton. Nicht zuletzt bieten Brettspiele für Kleinkinder sehr viele Gesprächsanlässe für ganz simple Ideen und Strukturen, die dann ganz selbstverständlich ebenfalls über das Spiel hinaus wirken können.

Eine kleine Welt in der großen

memoryHier ist es zudem für die Eltern spannend, das eigene Verständnis von Spielen und Regeln zu reflektieren. Geht Matze dahin, weil er muss? Weil es eben so ist? Weil es in den Regeln steht? Oder weil die Spieler sich darauf geeinigt haben, das Spiel nach diesen Regeln zu spielen und anders nicht so leicht ein schönes Erlebnis zustande kommt?

Der Reiz eines Brettspiels für Kinder ab 2 liegt vor allem darin, dass es eine kleine, abgeschlossene und damit gut verständliche Welt bildet, in der viel Spannendes vor sich geht. Dazu gehört, dass es Regeln gibt, nach denen die Vorgänge ablaufen. Es ist eben nicht egal, ob Matze auf seinem Feld steht oder daneben. Und ob er laufen darf, oder nicht, hängt von einem ganz bestimmten Ergebnis ab. Diese Regeln zu begreifen und anzuerkennen, ist ein spannender Moment.

Ähnliches passiert ja ebenfalls, wenn wir außerhalb der Brettspielwelt miteinander umgehen. Nur ist es da oft nicht so greifbar. Mit Brettspielen kommen die Kids früh auf den Geschmack, sich auf gemeinsame Spielregeln zu einigen und sich im Normalfall auch daran zu halten. Weil es eben für alle so am besten geht.

Der erste Moment, an dem die Spielregeln in die Welt hinausreichen, ist oft der Moment, wenn das Spiel weggeräumt wird. Genauso, wie Matze nur auf dem Weg läuft, weil es sonst einfach nicht so gut funktioniert, kommt das Spiel hinterher wieder in seine Schachtel und die Schachtel an ihre Stelle. So funktioniert es meistens am besten. Und wenn die Kleinen es später wieder spielen wollen, dann wissen sie genau, wo sie die Kiste finden, und können bald auch schon ganz allein den Spielplan zusammenpuzzlen.

Dazu gehört übrigens außerdem die Tatsache, dass die Spieler ebenso von den Regeln abweichen können: Kreatives Umdeuten, witziges Chaos und spontane Hausregeln sind allerdings für die Kleinsten noch zu weit weg. Vorher steht das Verständnis dafür, was es mit Spielregeln überhaupt auf sich hat.
Ihr seht, in einem simplen Spiel, in dem ein Matrose mit dem Zwei-Farben-Würfel zwölf Schritte macht und entweder rechtzeitig am Schiff ankommt oder eben nicht, steckt so viel Interaktion, dass sich unsere Zwerge tagelang damit auseinandersetzen können.

Viel Spaß in der gelben Kiste

obstgartenNicht viele Verlage widmen sich dem Segment. Einige schöne Titel findet ihr bei Ravensburger in der Ministeps-Reihe. Aber es ist vor allen Dingen ein Name, an dem niemand vorbeikommt, der Brettspiele für Kinder ab 2 Jahren sucht: Haba. Der Spielehersteller mit den schicken, gelben Kisten hat die Nische für sich erobert und veröffentlicht regelmäßig Neuerscheinungen von Spieleautoren, von denen einige zu den bekanntesten ihres Metiers zählen.

Ein Klassiker, der auf dieser Liste einfach aus Prinzip nicht fehlen darf, ist Habas „Obstgarten“. Preisgekrönt und mittlerweile in etlichen Editionen erhältlich hat das Spiel Maßstäbe für die jüngste Zielgruppe der Brettspieler gesetzt. Ein Vorbild mit vielen Nachfolgern war das Spiel mit dem schönen Prinzip, kooperativ mit einem gemeinsamen Ziel zu spielen. Das ist für die Kids besonders wichtig, weil Konkurrenz und Gegeneinander für Brettspiele ab 2 Jahren gern noch etwas warten dürfen.

Eins anderes kennt ihr ja schon: „Matze“ heißt eigentlich „Matrose Ahoi“, aber das ist so schwer auszusprechen, dass ich wette, nicht nur mein Patensohn nennt das Spiel einfach nach seiner Hauptfigur. Es wird zwar wegen zwei bestimmten Teilen erst ab 36 Monaten empfohlen, ist aber auch früher schon sehr gut spielbar.

Kooperativ geht es auch bei vielen anderen Spielideen von Haba zu. Zum Beispiel, wenn der fleißige Bauer seine Tiere versorgt, während ein Stern nach dem anderen aufgeht. Da ist es gar nicht schlimm, wenn wir das Spielziel wie immer ganz knapp verfehlen, weil der letzte Stern aufgegangen ist. Denn dann geht der Bauer schlafen. Und der ist nach dem langen Tag genauso müde, wie die kleinen Brettspielfans, denen nach einer Runde von nur zehn Minuten vor Konzentration manchmal schon die Augen zufallen. Noch so ein schöner Nebeneffekt einer kleinen, abschließenden Brettspielrunde am Abend.

The following two tabs change content below.
Peter

Ist passionierter Geschichtenerzähler mit einer Vorliebe, alte Spiele neu zu entdecken.

In drei Worten bin ich:

Geschichtenerzähler, Spieleerfinder und Aushilfs-Abenteurer

So hieß mein liebstes Kuscheltier als Kind:

Moritz. So heißt er immer noch. Sitzt grad hier hinter mir.

Ohne dieses Spielzeug konnte ich damals das Haus nicht verlassen:

Als ich klein war, haben wir auf Bretterstapeln und Bäumen gespielt. Hammer und Nägel waren super wichtig. Später ging es nirgendwohin ohne meine Mundharmonika, kein klassisches Spielzeug, spielt sich aber klasse.

Von dieser Spielzeug-Erfindung träume ich bis heute:

Ich entdecke lieber gute und gerne auch alte Spiele. Ich träume davon, das alles mal in Ruhe mit Freunden auszuprobieren!

Wäre ich heute noch mal Kind, würde ich auf jeden Fall:

Ständig mit Freunden unterwegs sein. Zusammen spielt es sich eben am besten. Mit und auch ohne Zeug.

Von dieser Kindheitserinnerung werde ich mich nie trennen:

Ich war sechs oder sieben, meine Schwester acht. Wir hatten einen winzigen Puppenherd, der richtig heiß geworden ist. Darauf haben wir echtes Essen gekocht! Nicht lecker, aber unglaublich spannend.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.