„The LEGO Movie“

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– Kann Spielzeug auch Kino?

Verfilmungen von Büchern, Computerspielen und sogar Musik oder Kunst sind nicht ungewöhnlich. Spielzeug zum Film gibt es tonnenweise. Aber als Spielzeugverfilmung gehört The LEGO Movie“ einer seltenen Spezies an.

Und die wecken geringe Erwartungen: „Barbie“ oder „Bratz“ sind Werbespots in Überlänge. Da haben die „Glücksbärchis“ zumindest noch einen gewissen irren Charme. Ähnlich uninteressant waren Kinoauftritte wie „Transformer“, „G.I. Joe“ und „Masters of the Universe“. „Dungeons and Dragons“ oder „Battleship“ flößen wenig Vertrauen in Spielzeugverfilmungen ein.

Viele haben von „LEGO The Movie“ im schlimmsten Fall einen langen Werbespot erwartet. Bestenfalls Bastel-Action im Stop-Motion-Stil der LEGO City Police Episoden.

Witzig und inspirierend, aber genug fürs Kino?

Ja, denn „The LEGO Movie“ ist mehr. LEGO hat seine eigene Idee verfilmt, exerziert in einem wilden Abenteuer seine Philosophie vom Spielen durch und schafft es, in einem Ritt durch den popkulturellen Kanon seinen eigenen, innersten Widerspruch in Bilder zu fassen. Gar nicht so schlecht für eine Spielzeugverfilmung. Dafür verzeihe ich dem Film einige Schwächen.

Der LEGO Film erzählt von der LEGO-Idee

Ein Film braucht eine Idee. Obwohl die Studios es immer wieder ohne versuchen, rettet kein noch so fettes Budget einen Film, der nichts zu sagen hat. Also was gibt es über LEGO zu erzählen?

Nach dem Trailer erwartet man eine witzige Noppen-Variante von einem schon oft dagewesenen Rezept – hier die Meisterbauer im Exil, da der stylisch frisierte Präsident und Oberschurke Lord Business mit seinem Komplizen Bad Cop und seiner üblen Roboterarmee. Dazu die Amazone Wildstyle, ein grummeliger Batman und natürlich der naive Antiheld Emmet, der sich dank Prophezeiung hinter Frodo, Harry Potter, Neo und Luke Skywalker in die Liste der auserwählten Weltretter einschreiben darf.

Doch die Produzenten Phil Lord und Chris Miller erzählen nicht irgendeine Story mit LEGO-Steinen. Sie wollen die Geschichte von LEGO selbst erzählen. Es geht um mehr als den Fiesling, der die Welt beherrschen oder in diesem Fall verkleistern will. Es geht ums Zusammenbauen und zusammen bauen. Um richtig bauen und falsch bauen. Es geht um das Bauen mit den Steinen der anderen. Hand aufs Herz – wer hat nicht schon einmal düstere Blicke verschossen, wenn jemand es gewagt hat, Hand an seine Konstruktionen zu legen? Und es geht um einen streitbaren Punkt in der schönen LEGO-Welt: Die Anleitung.

Ein grandioser Spaß und echte Kino-Momente

Die Macher von „The LEGO Movie“ fragen danach, was es heißt, LEGO zu spielen. Der Plot um das Klötzchen des Widerstands wirkt zwar völlig konstruiert. Aber ich bin nicht der Erste, der genau das als bewusstes Stück der Story genießt. Herrlich anarchische Wendungen führen durch diverse Parallelwelten, bei denen jedem LEGO-Fan warm ums Herz werden dürfte. Ich hab mich streckenweise gefühlt, wie bei einer nachmittäglichen LEGO-Session auf dem Wohnzimmerteppich.

Das Finale gibt dieser Interpretation einen großartigen Spielraum. Und darum schadet es nur ein bisschen, dass am Ende die Moral von der Geschichte trotz aller Selbstironie so zäh daher kommt, wie der Spruch von einem Katzenposter.

Vorher aber kommt es zu unzähligen kleinen Szenen, in denen die Geschichte nicht nur durch die Handlung erzählt wird, sondern durch das Material selbst. Zu meinen Favoriten gehört eine der schönsten Darstellungen einer gespaltenen Persönlichkeit seit „A Beautiful Mind“. Und zu einer Geistererscheinung aus einer anderen Welt, die für mich zu den am gelungensten Spezialeffekten aller Zeiten gehört. Und das nicht nur wegen dem unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis!

Was „The LEGO Movie“ zu etwas besonderem macht, ist das unbändige Spiel mit der Selbstreferenz, bei der sich LEGO-Steine plötzlich als das wahrnehmen, was sie sind. Immer wieder werden spielerisch Erzählebenen miteinander verschachtelt, wird mit allen Dimensionen des Materials die Geschichte erzählt. Das macht grandiosen Spaß.

Inspirierte Filmemacher und Spitzen-Animation

Drehbuch und Regie lagen in den Händen von Phil Lord und Chris Miller. Den Machern von „Heiter mit Aussicht auf Fleischbällchen“ und „21 Jump Street“ hat „The LEGO Movie“ die meisten seiner Stärken aber auch seine Schwächen zu verdanken.

Zu den Stärken gehört die Animation von Animal Logic („Happy Feet“, „Die Legende der Wächter“), deren Aufgabe nicht ohne war. Die LEGO-Welt besitzt seit Jahrzehnten eine eigene Ästhetik, die jedem Liebhaber tief vertraut ist. In animierter Form sind nicht nur offizielle Clips wie die LEGO-City-Episoden oder die Videospiele prägend. Noch wichtiger ist die höchst lebendige Kultur der Brickfilme. Hier einen Ton zu finden, der funktioniert, ist ein kleines Meisterstück. Das hat Animal Logic vollbracht. Extrem rasante, flüssige und lebendige Animationen stehen neben animierten Charakteren, denen man durch ihre extreme Einfachheit mehr Emotionen abnimmt, als den hyperrealistischen Figuren vieler anderer Produktionen.

Jedes Bild ist fast vollständig aus Bausteinen konstruiert. Fans können mit dem Finger am Stop-Button noch über Monate hinweg die fantastischen Konstruktionen analysieren und nachbauen und dabei nach den wenigen Ausnahmen suchen, die sich das Studio zu Gunsten visueller Effekte geleistet hat. Dabei kann man in jedem Detail praktisch die Noppen spüren. Tatsächlich LEGO.

Die Musik soll auch nicht zu kurz kommen. „Everything is awesome“ verliert in der Synchronisation einiges von seinem Drive. Aber das ironische Titellied hat immer noch Ohrwurmqualität.

Not everything is awesome!

Das klingt bisher wie der Titelsong: „Hier ist alles super!“ Aber einiges hätte nicht sein müssen. Zuerst eine Krankheit, die in den letzten Jahren viele Filme befällt: Er ist zu schnell. Ich glaube nicht an die These, dass Kinder eine permanente Lasershow brauchen, um sich nicht zu langweilen. Ich glaube, dass Studios und Filmemacher es zu selten wagen, sich auf die Stärke ihrer Geschichten zu verlassen. „The LEGO Movie“ hat etliche Szenen mit WOW-Faktor. Zu viele. Verfolgungsjagden häufen sich in der ersten Hälfte. Und einige der komplexen Szenarien wären es absolut wert gewesen, länger als Sekundenbruchteile darin zu schwelgen.

Zweiter Kritikpunkt: „The LEGO Movie“ ist voller Action und Humor, will aber vor allem seine Geschichte erzählen. Dabei hätten die Charaktere eine größere Rolle verdient. Viele der Figuren hätte man liebgewinnen können. Den Astronauten wollte ich am liebsten mit nach Hause nehmen. Ich hätte gern etwas weniger Zeit mit Kämpfen und Klischees zugebracht und mehr damit, hinter gelbe Plastikstirnen und in kleine Plastikherzen zu schauen.

Fazit

„The LEGO Movie“ ist ein anarchisch spannendes Action-Abenteuer mit zahlreichen Noppen. Mit vielen großartigen Einfällen stellt der Film die Frage, was Spielen eigentlich bedeutet. Leider übertreibt er es ein Wenig mit Action und Geschwindigkeit. Nichtsdestotrotz ist es ein toller Film für Kinder ab sechs Jahren, der mit Witz und Charme auch den großen LEGO-Fans richtig viel zu bieten hat.

Und wie spielt man nun richtig LEGO? Kommentar von einem kleinen Zuschauer nach dem Film: „Ohne Anleitung!“

„The LEGO Movie“ (Filmlänge: 1 Std. 40 Min., FSK 6 Jahre) läuft ab dem 10. April 2014 in unseren Kinos und ist ein Filmspaß für kleine und große Fans!

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