Lernen durch Würfeln: Warum jedes Spiel ein Lernspiel ist

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Kinder lernen immer das, was in ihrer persönlichen Entwicklung gerade Thema ist. Das kann dann auch mal mit den Vorstellungen der Umgebung kollidieren. Das macht aber nichts, solange das Vertrauen in die Umgebung stimmt und spannendes Erfahrungsmaterial in Reichweite. Kinder lernen bei jeder Handlung. Besonders, wenn sie Spaß macht. Darum gibt es kein Spiel, das nicht auf seine Weise auch ein Lernspiel ist.

Brettspiele sind Frühförderung

Werfen wir einen Blick auf die Themen, die Eltern meist zuerst durch den Kopf gehen: der klassische Grundschulstoff wie Rechnen, Lesen und Schreiben, gefolgt von Sprache, das Verständnis für Mengen, das räumliche Denken und die Fähigkeit zum Planen und Abstrahieren.

Lernen wir beim Spielen sprechen? Absolut! Es gibt Dinge und Personen, die wir benennen, die etwas tun und mit denen etwas passiert. Über all das tauschen wir uns intensiv aus, wenn wir das Spielgeschehen verfolgen und kommentieren. Ob beim Haba-Spieleschatz der Bauer die Tiere versorgt oder bei UNO jemand zum dritten Mal die Farbe wählen darf, es gibt immer vielfältige Gesprächsanlässe auf verschiedenen Ebenen und das Thema ist immer ein gemeinsames, deutlich greifbar in der Mitte.

Ab acht Jahren enthalten fast alle Spiele auch Textelemente. Klassisches Beispiel sind die Aktionskarten. Wer bei Siedler oder Dominion wissen will, wie er die anderen ärgern kann, ohne seine Handkarten offenzulegen, hat eine hohe Motivation, die Kurztexte zu entziffern.

Zahlen und mathematische Zusammenhänge stecken nicht nur im Würfel. Dessen einprägsame Muster sind schon eine sehr wertvolle Prägung, um später locker mit den einstelligen Zahlen umzugehen. Doch im Prinzip ist jedes Spiel voller Zahlen und Zusammenhänge, die immer wieder miteinander in Verbindung gebracht werden. Wir addieren Siegpunkte, rechnen Kosten von Gebäuden aus, bilden Reihen und Gruppen, erfahren den Rhythmus einer Spielrunde mit zwei, drei oder vier Spielern und stellen auf einem logisch strukturierten Spielfeld immer wieder Zusammenhänge her, in denen Zahlen eine Rolle spielen.

Zielbewusstes und planvolles Handeln ist vielleicht die spannendste Kompetenz, die sich im Spiel erleben lässt. Was ist mein Ziel und was muss ich tun, um es zu erreichen? Welche Konsequenzen ziehen Entscheidungen nach sich und wie finde ich das raus, ohne blind zu probieren? Plötzlich analysiert der Spieler seine Situation. Da operiert der Kopf mit Wahrscheinlichkeiten und Möglichkeiten, wendet Erfahrungen auf die aktuelle Lage an, spielt im geistigen Modell Abläufe durch und wägt so die möglichen Entscheidungen ab. Das alles passiert bei jeder Wahlmöglichkeit in Sekundenschnelle, unbemerkt und ohne sichtbare Anstrengung. Es spielt schon eine Rolle, wenn wir nur überlegen, mit welcher Figur wir bei „Mensch ärgere dich nicht“ vorwärts setzen. Und es stärkt die Fertigkeiten, mit denen sich unsere Kids in einer ziemlich unaufgeräumten Welt später einmal gut zurechtfinden werden.

„Mensch ärgere dich nicht“ und die Demokratie

Mindestens ebenso spannend sind die sozialen Aspekte, die bei jedem Spiel aufs Höchste gefordert sind. Gewinnen und Verlieren fallen den meisten sicher als erstes ein. Vielleicht auch die alte, schmerzhafte Weisheit „Wer ein schlechter Verlierer ist, hat noch nicht genug geübt“.

Aber wir üben uns auch in Teamwork und in der Bescheidenheit des glücklichen Siegers. Wir erfahren, dass es durchaus Spaß und Befriedigung bringen kann, anderen etwas abzugeben. Und wir entwickeln eine gute Robustheit gegen die kleinen Gemeinheiten im Spiel, die auch nur dann Spaß machen, wenn jeder weiß, dass er die nicht übel nehmen braucht.

Eine der schönsten Handlungen findet aber wieder ganz unaufgeregt im Stillen statt. Spielen heißt, einem Raum und einem Material eine bestimmte Bedeutung zu geben und nach bestimmten Regeln damit umzugehen. Wenn das passt und wenn alle dabei an einem Strang ziehen, macht es Spaß. Dann hat sogar Konkurrenz und Fiesheit ihren Platz und ihren genießbaren Rahmen. Beim Spielen lernen wir, wie cool es sein kann, gemeinsam zu gestalten.

Die besten Lernspiele sind selbst gemacht

Ein Spiel findet nur in kleineren Teilen auf dem Tisch und zum viel größeren im Kopf statt. Das gilt insbesondere, wenn die Kleinen ihre eigenen Spiele spielen. Die besten Lernspiele sind nämlich selbst gemacht.

Es lohnt sich, nicht zu viel über das perfekte Lernspiel nachzudenken! Die Kinder sind unserem pädagogischen Plan ohnehin entweder mehrere Schritte voraus oder gehen gelassen ihren eigenen Weg. Viel wichtiger ist, dem Spiel an sich viel Raum und Zeit zu bieten. Das heißt Raum, in dem sich die Kids sicher und wohl fühlen können, und der auch mit möglichst vielen Mitteln gestaltet werden darf, ohne einen Fall für die Haftpflichtversicherung auszulösen. Und es heißt Zeit, die nicht von vornherein verplant und komplett mit wichtigen, wertvollen und von uns in weiser Voraussicht vorbestimmten Themen gefüllt ist.

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