Klassiker der Gesellschaftsspiele

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Spielen ist kein Kinderkram. Haben Sie sich nie gefragt, warum antike Spiele wie Schach oder Pachisi schon immer von gebildeten Erwachsenen gespielt wurden? Höchste Zeit, diese stark unterschätzte Literaturgattung neu zu entdecken!

Gesellschaftsspiele besitzen etwas Magisches. Sobald eine Partie begonnen wird, entsteht ein eigener Raum, eine kleine Welt mit eigenen Elementen, Gesetzen, Zielen und Geschichten. Die gemeinsam zu erleben, sich in ihren Regeln zu bewähren und an ihren Herausforderungen zu messen, macht den Zauber von Gesellschaftsspielen aus. Und zwar seit einigen Tausend Jahren!

Wer den Inhalt der verheißungsvollen Schachteln unter die Lupe nimmt, stößt auf einen Reichtum, der seinesgleichen sucht. Brettspiele erzählen Geschichten, indem die Spieler sie am eigenen Leib – oder am Leib ihrer Spielfigur – selbst durchleben. Sie sind kleine Modelle der großen Welt. Sie wählen ein kleines Stückchen davon aus und bilden es mit Spielmaterial, Zusammenhängen, Regeln und Ideen ab. So erklärt sich auch, warum sie oft so spannend sind: Eine Spielrunde ist fast ein richtiges Abenteuer.
Dazu kommt, dass wir Gesellschaftsspiele am besten in Gesellschaft spielen. Außerdem hat ein gutes Spiel wie jede gute Geschichte einen Spannungsbogen, der Sie bis zum Ende nicht loslässt. Man will eben wissen, wie es ausgeht! So darf Ich mit gutem Recht behaupten, dass Gesellschaftsspiele einen wichtigen und gerne unterschätzten Teil unserer Literatur ausmachen.

Haben Brettspiele im digitalen Zeitalter noch Zukunft? Aber sicher! Die geheimnisvolle Spannung zwischen Spielern, die sich beim Spielen in die Augen schauen, können Simulationen und Netzwerke bei aller technischen Brillianz nicht ersetzen.

26301_3Was ein 5000 Jahre altes Spiel uns zu erzählen hat

Seit wann spielen Menschen Gesellschaftsspiele? Wenn wir den Punkt suchen, an dem aus Kinderspielen, Geschichten, Gesängen und Stammesriten die ersten Gesellschaftsspiele geworden sind, kommen wir sicherlich in der Steinzeit an.

Die ältesten Funde sind fast fünftausend Jahre alt: Das ägyptische „Senet“ und das „Königliche Spiel von Ur“ sind – wie auch das berühmte „Pachisi“ aus Indien – klassische Zugspiele. Spieler versuchen, mit ihren Figuren zuerst das Ziel des Weges zu erreichen. Dabei transportieren die Regeln, Spielbretter und Abläufe ein Stück der Weltanschauung dieser Kulturen. „Pachisi“ – bekannter als „Mensch ärgere dich nicht“ – erzählt von der alten indischen Vorstellung von einem erfüllten Weg auf dem Rad des Lebens. Rausschmeißen und Wiedereinsetzen sind spielerische Bilder für den Glauben an die Wiedergeburt.

Dame, Mühle und auch die Zahlenlogik des uralten, chinesischen Domino sind nicht nur interessante Denksportaufgaben. Sie schärfen das Bewusstsein für die Zusammenhänge und Konsequenzen, die uns ständig umgeben.

Ähnliches geschieht im Schach, dem „Spiel der Könige“. Zudem werden hier Bauern in vorderster Reihe geopfert, während sich die Königin schützend vor den verletzlichen König stellt. An dieser Stelle kann jeder erkennen, wie es Spielregeln gelingt, von der Wirklichkeit zu erzählen.

Siedler von CatanStrategie und Taktik – mal friedfertig und mal weniger

Neue Titel wie „Abalone“ oder „Qwirkle“ greifen abstrakte, alte Mechanismen auf. So wie in der Literatur alte Formen und Themen immer wieder verarbeitet werden und daraus Neues entsteht. Daneben verarbeiten moderne Brettspiel-Klassiker auch geschickt Themen unserer Zeit: Wirtschafts- und Handelsspiele, Ressourcenverwaltung und Arbeitereinsatz gehören zu den beliebtesten, modernen Brettspieltypen.

Handel, Aufbau und Eroberung gehören zu den Spielthemen, die den meisten Erfolg versprechen. „Monopoly“ hat das Spiel mit dem Geld ins Kinderzimmer gebracht. In Titeln wie „Junta“ und „Friesematenten“ darf der hart verdiente Zaster verwendet werden, um noch mehr zusammen zu raffen und die anderen möglichst fies daran zu hindern. Die militärisch-strategische Herausforderung von Schach bekam mit „Risiko“ ein modernes Gewand.

Dass es dabei durchaus nicht immer aggressiv zu gehen muss, zeigen zwei der größten modernen Familienspielklassiker. Klaus Teubers Siedler von Catan haben die Brettspielwelt auf den Kopf gestellt und mit dem geschickten Einsatz von Ressourcen unerhörte Erfolge gefeiert. Ganz ohne Erobern und Rausschmeißen. Friedlicher Aufbau und geschickter Einsatz der eigenen Arbeiter ist auch das Thema von „Carcassonne“, das ebenfalls in kaum einer Familie fehlt.

Diese Spiele haben auch die viel kopierte Idee eines variablen Spielbrettes, das bei jeder Partie zufällig neu entsteht, in Perfektion umgesetzt. Auch bei „Dominion“ ist jede Partie vollkommen anders. Durch die Vielfalt von Strategien steht „Dominion“ an der Schwelle zwischen Kenner- und Familienspielen. Zudem kann der Hit von 2009 für sich verbuchen, das Prinzip nerdiger Sammelkartenspiele so umzusetzen, dass es jeden Spieler fesselt.

Wunderschönes Material, unzählige Entscheidungsmöglichkeiten und eine perfekt ausgefeilte Spielbalance zeichnen echte Kennerspiele aus. Nicht umsonst stehen Titel wie „Puerto Rico“, „Caylus“ oder Uwe Rosenbergs viel gelobtes „Agricola“ ganz oben in der Gunst der Brettspielexperten.

Bluffs, Geschichten und anarchischer Spaß

Nun bedeutet Spielen immer auch Spaß und zwar zusammen mit den anderen. Viele große Spieleklassiker ziehen ihr Potential vor allem aus Handeln mit- und natürlich auch gegeneinander. Stechen und Sticheln, Bluffen und Erinnern, Raten und Erzählen – diese Mechanismen machen seit Jahrhunderten Spaß. Es geht um die Freude am Austricksen, Action und gerne auch richtig anarchischen Spaß.

WizardAuf diesen Dingen basieren alte und neue Stich- und Kartenspiele wie „Skat“, „Wizard“ oder „Uno“ und alle seine Vorgänger. „Wie ich die Welt sehe“, die „Black Stories“ oder „Dixit“ sind berühmte Spiele, in denen Geschichten erzählt werden.

Meist arbeiten Spieler gegeneinander, doch viele beliebte Spiele fordern geschickte Kooperation. Im Klassiker „Scotland Yard“, bei den „Werwölfen von Düsterwald“ und auch bei „Space Alerts“ darf ein Spieler aber die Bemühungen der anderen genüsslich zunichte machen.

Wenn Kartenspiele im Mittelalter dafür berüchtigt waren, die Ordnung zu untergraben, dann ist das notorische „Munchkin“ dafür ein herrliches Beispiel. In dem satirischen Fantasy-Kartenspiel kann leicht mal derjenige die Regeln bestimmen, der sie am besten zu verbiegen weiß. Und auch bei Hasbros Knüller „Looping Louie“ geht es im wahrsten Sinne des Wortes rund.

Natürlich ist dieser kleine Überblick nicht einmal ansatzweise vollständig. Es lohnt sich, die berühmten Klassiker zu entdecken oder sich einen Abend lang mit guten Freunden lohnenden Geheimtipps und unverdient in Vergessenheit geratenen Perlen der Brettspielliteratur zu widmen. Einen Überblick, Hitlisten, Rezensionen und viele Inspirationen finden Sie auf dem Brettspiel-Portal www.cliquenabend.de und auf den Websiten zum Spiel des Jahres und dem Deutschen Spielepreis.

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