Inlineskates: Welches Modell für welchen Stil?

Ein Inlineskate ist ein Schuh mit Rollen dran? Richtig und falsch. Der Trendsport kennt viele Stile. Und die Sportgeräte daher ebenso viele Formen und Bauweisen: Vom Material des Schafts bis zur Härte und Größe der Rollen. Holen Sie sich in unserer Modellübersicht einen Überblick und entscheiden Sie, welcher Schuh für Sie der richtige ist!

Wird nach der Herkunft der Inlineskates gefragt, müssen die meisten zuerst an den Rollschuh denken. Dabei sind die Trendsportgeräte von der Form her enger mit dem Schlittschuh verwandt. Dessen schmale Klinge findet sich in der geraden Anordnung der Rollen am Rahmen wieder. Und auch das V-förmige Bewegungsmuster haben die beiden Skating-Stile gemeinsam.

Das Prinzip ist bei allen Inline-Modellen das gleiche. Der Schaft ist in der Regel ein Stiefel mit engem Sitz. Fest mit der Sohle verbunden ist der Rahmen mit zwei bis fünf kugelgelagerten Rollen. In der Regel sind es vier.

Die Bauarten, Materialien und Formen unterscheiden sich je nach Anspruch und Einsatzzweck. So finden Sie neben den freizeittauglichen Allroundern spezielle Inlineskates für unterschiedliche Stile vom Speedskating bis zu aggressiven Stunts und professionellem Hockey. In diesem Guide geben wir Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Modelle und empfehlen bei jedem Element auch die Variante, die sich am besten für den Einstieg eignet.

Der Stiefel: Fester Halt mit hohem Schaft

Der typische Inlineskating-Schuh ist ein Stiefel, der weit über dem Knöchel endet. Spezialformen können auch niedriger sein. Hartschalenstiefel waren am weitesten verbreitet als das Inlineskaten in den Neunzigern zum Breitensport wurde. Hartschalen sind sehr stabil, aber in der Form weniger anschmiegsam als Softboots. Heute sind sie seltener und eher im kostengünstigen Einsteigerbereich verbreitet.

Softboots bestehen meist aus starkem Nylongewebe. Das Obermaterial des Schafts ist trotz des Attributes "Soft" gut versteift und sehr formstabil. Im Speedskating-Bereich bietet das textile Obermaterial oft auch eine gute Durchlüftung: Auf langen Distanzen ein spürbarer Vorteil.

Hockeyschuhe sind steifer und haben eine besonders geschützte Spitze. Sie bieten maximale Stabilität und Wendigkeit. Das sehr steife Obermaterial ist extra ausgepolstert. Die festen Stiefel brauchen länger, bis sie die perfekte Passform annehmen. Dann bieten sie aber eine unschlagbare Kontrolle. Das wissen auch Anhänger des agilen Freestyle zu schätzen. Ähnlich gestaltet sind die Schuhe für Aggressive- und Vert-Skating. Hier kommen noch harte Kanten für Slides und Grinds dazu. Leichtere Modelle aus dem Hockey- und Freestyle-Bereich sind durch ihre Vielseitigkeit die besten Einsteigerschuhe.

Bei der Auswahl der Form muss sich der Fahrer zwischen Halt und Wendigkeit entscheiden. Der hohe Schnitt mit starker Stützfunktion am Knöchel ist wichtig für Einsteiger und für jeden, der bei Sprüngen und Stunts oder harten Zweikämpfen im Hockey an die Grenzen geht. Speedskater bevorzugen dagegen einen niedrigeren Schnitt. Das spart nicht nur Gewicht. Der bewegliche Schuh erlaubt auch mehr Flexibilität für die ideale Kraftübertragung bei jedem Schritt.

Unterschiede gibt es auch bei den Verschlussformen. Klassisch sind drei Schnallen. Wer im Winter oft Skistiefel trägt, wird sich darin wie zu Hause fühlen. Gängig sind auch Kombinationen von Schnallen mit Schnürsenkeln und Klettbändern, die für eine optimale Verspannung des gesamten Schaftes und damit für dynamischen Halt in jede Richtung sorgen.

Nach wie vor leisten klassische Schnürsenkel mit mehr als zehn Löchern die beste, haltbarste und individuellste Verspannung. Schnürstiefel sind deshalb Standard für professionelle Hockey- und Aggressive-Schuhe. Der Nachteil gegenüber Schnallen und Klettbändern: Das An- und Ausziehen dauert deutlich länger.

Der Rahmen: Sportliches Fahrgestell unter der Sohle

Die Klinge unter dem Schuh sorgt für den sicheren Kontakt zwischen den Rollen auf dem Untergrund und dem Schaft am Fuß des Skaters. Es muss sehr steif und robust sein, aber auch nicht zu schwer.

Einfache Rahmen aus Kunststoff sind nur begrenzt im kostengünstigen Einsteiger- und Freizeitbereich anzutreffen. Im gehobenen Einsteigerbereich sind hochwertige PU-Rahmen gängig und leisten gute Dienste.

Für Stile mit höherer Belastung bietet PU nicht mehr ausreichend Festigkeit. Speedskating-Schuhe nutzen die Gewichtsersparnis und Stabilität von Aluminium, Carbon und anderen leistungsstarken Leichtwerkstoffen. Für Hockey- und Aggressive-Schuhe wird zugunsten der Festigkeit noch weniger Wert auf Gewichtsersparnis gelegt.

Deutliche Unterschiede gibt es der Länge der Rahmen: Je kürzer der "Radstand", desto wendiger, je länger, desto schneller wird ein Schuh. Klassische Inlineskates mit hoher Flexibilität besitzen eine Rahmenlänge von 230 mm. Racing-Rahmen können bei weit über 30 Zentimetern liegen. Eine Besonderheit sind die Nordic Blading-Rahmen mit zwei weit auseinanderliegenden Rollen und deutlich höheren Längen.

Spannend für alle, die Inlineskates als alltägliches Transportmittel verwenden, sind die Step-In-Rahmen. Einige Hersteller lösen damit clever das Problem, dass verschiedene Bereiche mit Inlineskates nicht zugänglich sind. Die Rahmen sind abnehmbar und machen aus dem Inlineskate einen einfachen Schuh, mit dem Sie auch einkaufen gehen können.

Die Bremse: Kann, muss aber nicht

Die Fersenbremse ist ein typisches Ausstattungsmerkmal im Freizeitbereich. Am hinteren Ende wird sie in den Rahmen geschraubt. Das Verschleißteil ist so leicht austauschbar. Schuhe für sportlich anspruchsvollere Stile haben allerdings keine Bremse. Sie würde für Hockey und Freestyle die Beweglichkeit einschränken. Beim Racing wäre eine Bremse ein unnötiges Zusatzgewicht. Die Bremstechniken aus der Fahrt ersetzen die Hardware-Bremse vollumfänglich und lassen sich, ausreichend Übung vorausgesetzt, sogar sicherer anwenden.

Eine Besonderheit ist der Zehenstopp des Inline-Kunstlaufschuhs. Diese Bremse an der Front ist das Äquivalent zu den Frontzacken beim Eiskunstlaufen. Sie ist notwendig, um Sprünge und andere abrupte Bewegungen auszuführen.

Die Rollen: Zwei oder fünf? Flat oder Banana?

Es gibt verschiedene Rollensetups, die an die Bedürfnisse der verschiedenen Inlineskating-Disziplinen angepasst sind. Die am meisten verbreitete Bauweise sind vier mittelgroße Rollen im Flat-Setup. Flat bedeutet, dass alle Rollen gleichzeitig Bodenkontakt haben. Das ergibt gute Durchschnittswerte bei Wendigkeit und Geschwindigkeit und ist für Einsteiger generell die beste Empfehlung.

Hier ein kleiner Überblick über alternative Setups: Im Crescent- oder Banana-Setup werden vorn und hinten kleinere Rollen eingesetzt, als in der Mitte. Diese Skates werden auch Rocker genannt und zeigen durch den kürzeren Radstand eine deutlich höhere Wendigkeit. Rocker-Setups sind besonders im agilen Freestyle-Skating verbreitet. Die leicht erhöht sitzende Vorderrolle macht sich auch gut auf leicht unebenen Untergründen.

Für das HiLo-Setup werden verschiedene Rollengrößen mit versetzter Achsenhöhe eingebaut. So stehen alle Rollen gleichzeitig auf dem Untergrund. Die kleineren Vorder- und größeren Hinterrollen verändern die Kraftübertragung. So kann unter anderem eine stärkere Beschleunigung erreicht werden. HiLo ist besonders im Inline-Hockey verbreitet.

Anti Rocker und Grindwheels gehören in die Aggressive-Szene: Die mittleren Rollen sind dabei verkleinert und laufen gar nicht mit. So lässt sich besser Grinden – auf Kosten von Wendigkeit und Geschwindigkeit. Bei vielen Freestyle-Rahmen sind eine oder beide Mittelrollen ganz weggelassen und durch einen festen Grindblock ersetzt.

Die Rollengröße wirkt sich deutlich auf die Performance aus. Je kleiner, desto agiler verhält sich der Schuh. Je größer, desto schneller wird er.

Hier ein knapper Überblick über die gängigen Rollengrößen:

  • 44 – 49 mm für Aggressive- und Vert-Skating
  • 68 – 72 mm für Inline-Kunstlauf
  • 72 – 80 mm für Slalom und Downhill
  • 72 – 100 mm sind typisch für Freizeit- und Fitnessskating – die besten Einsteigergrößen
  • 100 bis 125 mm für Speedskating.

Ähnliches gilt für die Härtegrade der Rollen. Die Härte für Kunststoffe wird nach der Shore-Skala mit der Einheit A angegeben. Je weicher, desto besser ist der Grip, desto stärker aber auch die Abnutzung und der bremsende Rollwiderstand. Je härter, desto schneller laufen die Rollen, allerdings auf Kosten der Kontrolle.

Die gängigen Härtegrade:

  • ab 72A für Hockey
  • 78A bis 86A – Fitness- und Speedskating, der Durchschnitt, mit dem Einsteiger gut zurecht kommen
  • 90A bis 110A Aggressive- und Vertskating

Die Lager: Gut geschmiert für wenig Widerstand

Inlineskating-Rollen laufen kugelgelagert für minimalen Rollwiderstand. Es kommen zwei Lager pro Rolle zum Einsatz. Als Verschleißteil sind die leicht auswechselbar.

Die Lager machen, sofern sie nicht beschädigt oder stark verschmutzt sind, nur einen kleinen Prozentteil des Rollwiderstands aus. Eine solide Durchschnittsqualität taugt deshalb auch für hohe Ansprüche. Im Einsteigerbereich können Sie bedenkenlos die Standardausführung nutzen. High-End-Lager mit Keramik-Kugeln bieten eine längere Haltbarkeit, schlagen aber auch mit einem deutlich höheren Preis zu Buche.

Unterschiede machen Profis bei der Schmierung: Fettgefüllt oder ölgeschmiert. Erstere laufen zäher, sind dafür wartungsarm. Letztere sind leichtlaufender, müssen aber regelmäßiger gepflegt, gereinigt und nachgeschmiert werden.