Sarah

... ist Marketing Specialist Employer Branding bei Galeria Kaufhof.

05.01.2018

Integration ist kein Selbstläufer

Unsere Berliner Filiale am Alexanderplatz hat vor kurzem den Inklusionspreis 2017 des Landes Berlin in der Kategorie Großunternehmen gewonnen.

„Eine tolle Anerkennung für das ganze Team“, freut sich Reinhard Schöwe, HR- und Service-Manager der Filiale am Alexanderplatz, über den Preis. Denn Integration ist kein Selbstläufer: „Mir war von Anfang an klar, dass Integration nur dann funktioniert, wenn alle mitziehen – angefangen von den Abteilungsleitern und ihren Stellvertretern bis hin zu den Kollegen in den Verkaufsbereichen“, so Schöwe. „Daher bemühen wir uns darum, alle unsere 670 Mitarbeiter im Haus für das Thema Behinderung zu sensibilisieren.“
Tags: Mitarbeiter, Filialen

Momentan arbeiten in der Filiale 67 Menschen mit Handicap. Das entspricht einem Anteil von 9,55 Prozent und liegt somit deutlich über dem gesetzlich geforderten Anteil von fünf Prozent für Großbetriebe. Eine von ihnen ist Andrea Wienke, die bereits ihre Ausbildung bei Galeria Kaufhof absolvierte und aktuell in der Damenmodeabteilung arbeitet. Die 41-Jährige war stellvertretend für alle Mitarbeiter bei der offiziellen Verleihung Anfang Dezember mit dabei.

Frau Wienke, wie erleben Sie den Arbeitsalltag in der Galeria Kaufhof am Alexanderplatz?

Die Galeria Kaufhof am Alexanderplatz ist unglaublich groß, sozusagen ein Flaggschiff des Unternehmens. Hier herrscht eine tolle Arbeitsatmosphäre: Es passiert immer viel, es wird einfach nie langweilig, und es macht mir sehr viel Freude, in dieser Filiale zu arbeiten. Es gibt so viel zu gestalten, und man hat immer wieder mit neuen Warenwelten zu tun. Für mich ist dieses Haus irgendwie „energiegeladen“. Es bleibt stets spannend, und für die Kunden ist es einfach ein schönes Einkaufserlebnis.

Welche besonderen Herausforderungen haben Sie aufgrund Ihres Handicaps täglich zu meistern?

Grundsätzlich unterscheidet sich mein Arbeitstag nicht wesentlich von denen meiner Kollegen. Ich muss mir allerdings aufgrund meiner Gehbehinderung meine Kräfte gut einteilen. Das Laufen ist für mich leider nicht ganz so einfach und beschwerdefrei wie für andere. Da das Haus aber sehr groß ist und die Laufwege entsprechend lang sind, teile ich mir die Wege pro Tag einfach bewusster auf. Zudem bekomme ich unglaublich viel Unterstützung von meinen Kollegen. Dafür bin ich sehr dankbar. Es ist ein tolles Gefühl, denn es ist nicht selbstverständlich. Ich bin erst seit einem guten Jahr in der Damenmodeabteilung. Vor meinem Wechsel hatte ich Angst vor Vorurteilen, denn leider kann nicht jeder mit Handicaps umgehen. Dabei ist es doch eigentlich normal, dass nicht jeder alles gleich gut kann. Jeder Mensch hat seine Stärken und seine Schwächen. Umso schöner war es festzustellen, dass meine Bedenken grundlos waren. Denn ich kann sagen: Inklusion wird hier gelebt.

Die Galeria Kaufhof am Alexanderplatz hat den diesjährigen Inklusionspreis Berlin in der Kategorie Großunternehmen gewonnen. Sie waren bei der Verleihung dabei. Was bedeutet der Preis für Sie persönlich und wie haben Sie die Verleihung erlebt?

Ich finde, der Inklusionspreis ist etwas Großes und für mich als Betroffene ist er wirklich von Bedeutung. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Das Thema Inklusion bekommt auf diesem Weg Aufmerksamkeit und Beachtung. Denn es ist nun einmal so, dass wir in einer überwiegend leistungsorientierten und arbeitsintensiven Gesellschaft leben, in der Menschen mit einer Behinderung häufig das Nachsehen haben. Sie stehen oft hinten an. Sie bekommen in der marktwirtschaftlich geprägten Arbeitswelt viel zu wenig die Chance, ihr Können unter Beweis zu stellen. Nur wenige Betroffene schaffen den normalen Arbeitsalltag.

Für mich war es eine Ehre, stellvertretend für die 67 Betroffenen der Filiale, bei der Verleihung im roten Rathaus dabei gewesen zu sein. Und unser HR- und Service-Manager Reinhard Schöwe hat eine sehr schöne und emotionale Rede gehalten.

Warum hat unsere Filiale am Alexanderplatz die Auszeichnung verdient?

Ein Flagshipstore, wie die Filiale am Alexanderplatz, ist ein großer Wirtschaftsbetrieb, der leistungsorientiert arbeiten muss. Umsatzzahlen stehen im Fokus und müssen erfüllt werden. Und dennoch ist das Unternehmen hinsichtlich gelebter Inklusion sehr engagiert. Die Schwerbehindertenquote liegt mit knapp zehn Prozent weit über der Pflichtquote von fünf Prozent sowie der gängigen Quote anderer Unternehmen.

Seit einigen Jahren gibt es bei uns in der Filiale barrierefreie Laufwege. Diesen Umbau empfinde ich als sehr wertvoll – für Kunden und für Mitarbeiter. Es sind aber einfach die kleinen alltäglichen Dinge: Man wird gefragt, wie es einem geht und von Kollegen unterstützt, wenn es an einem Tag mal nicht so gut klappt.

Der Preis ist aus meiner Sicht absolut berechtigt und nicht nur für alle Kollegen der Filiale mit Handicap eine tolle Sache. Es ist vor allem auch Anerkennung und Wertschätzung für die Führungskräfte der Filiale, die sich in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat und der Schwerbehindertenvertretung für dieses Thema einsetzen. Und es ist eine Würdigung der gelebten Inklusion im gesamten Team.

Ich werde hier einfach so angenommen wie ich bin!

 

Herzlichen Dank für das Interview, Frau Wienke!