Sophie ist Pressesprecherin bei Galeria Kaufhof.

Sophie

... ist Pressesprecherin bei Galeria Kaufhof.

27.12.2017

Ab nach Kassel ...

... lautet eine Redewendung aus dem 19. Jahrhundert. Mit diesem sogenannten Spottruf sollen angeblich Aachener Bürger den französischen Kaiser Napoleon III. verabschiedet haben, als dieser nach der verlorenen Schlacht von Sedan in die Gefangenschaft ins Schloss Kassel-Wilhelmshöhe abreiste.
Tags: Filialen, Mitarbeiter
Stephan Engel und Tanja Schneider auf dem Dach der Filiale

Heute bedeutet die Formulierung so viel wie „ab durch die Mitte“ oder „nichts wie weg hier“. Das besagte Schloss, dessen Entstehung bis ins Jahr 1786 zurückreicht, ist nur eines von zahlreichen sehenswerten Monumenten im UNESCO-Weltkulturerbe Bergpark Wilhelmshöhe.

Stadt im Zeichen der Kunst

Auf der Homepage der documenta 14 ist die fast 2.500 km weite Entfernung zwischen Athen und Kassel geografisch dargestellt: Sie wirkt auf den ersten Blick wie eine gut ausgeprägte Herzlinie, die quer durch Europa reicht. Aber wie viel Athen steckt eigentlich in Kassel? Eine ganze Menge, wie man als Besucher schnell feststellt. Dazu zählt nicht nur die bedeutende Tatsache, dass beide Städte in diesem Jahr Standorte für die documenta 14 waren. Erstmalig gab es seit Bestehen der weltweit wichtigsten Ausstellung für moderne Kunst neben Kassel noch einen zweiten Standort. Es gibt aber noch weitere Gemeinsamkeiten wie zum Beispiel Oktogon und Herkules. Der achteckige Bau, auf dem die etwa 70 Meter hohe Kupferstatue des griechischen Halbgottes steht, ist nach dem Athener Vorbild entstanden und nicht nur ein optisches Highlight, sondern auch das Wahrzeichen der Stadt. Auch einen Parthenon konnte Kassel in diesem Sommer vorweisen. Während der documenta 14 stand ein Tempel, dessen Säulen aus verbotenen Büchern bestanden, mitten auf dem Friedrichsplatz. Form und Konstruktion des Kunstwerks erinnerten stark an das antike Monument, das auf dem griechischen Burgberg Akropolis steht.

Auch verwinkelte Gassen und märchenhafte Ecken gibt es nicht nur in Griechenlands Hauptstadt. Die nordhessische Kunstmetropole mit rund 200.000 Einwohnern hat sogar ein eigenes „Märchenviertel“. Dies sind nur wenige von vielen Gründen, warum man diese Stadt nicht an einem Tag erkunden kann, dafür aber sehr schnell ins Herz schließt. So auch Filialgeschäftsführer Stephan Engel (Foto, oben). Der 44-Jährige ist erst im November 2016 von Aachen nach Kassel gewechselt und hat sich mittlerweile gut eingelebt. „Ich war vor etwa 20 Jahren schon einmal als Abteilungsleiter-Assistent in Kassel. Ich wusste aber gar nicht mehr, wie schön diese Stadt ist und was es hier alles zu entdecken gibt.“

Tanja Schneider schaut durch die Bodenluke im Schaufenster

Kasseler, Kasselaner oder Kasseläner?

Tanja Schneider (Foto, oben) ist Kasselanerin. So nennt man die Einwohner, die in Kassel geboren sind. Die 28-jährige Gestalterin für visuelles Marketing klärt Engel auf: „Sie sind ein Kasseler, weil sie zugezogen sind. Jemand, der hier geboren ist und dessen Eltern bereits in Kassel geboren sind, ist hingegen ein Kasseläner.“ Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, Verfasser der weltberühmten „Kinder- und Hausmärchen“ waren ebenfalls Kasseler. Im erst 2014 fertiggestellten Museum „Grimmwelt“ werden hoch oben auf dem Kasseler Weinberg auf rund 1.400 qm interaktive Präsentationen und Sonderausstellungen zu den grimmschen Werken gezeigt. Ob Hexen, Zwerge oder Wölfe, hier kommen Märchenfans voll auf ihre Kosten. Aber auch Architekturfans finden Gefallen an dem „Bau des Jahres 2015“.

Stephan Engel und Tanja Schneider im Gespräch

Liebeserklärung an Kassel

„Ach, ich liebe Kassel einfach“, entfährt es Schneider urplötzlich beim Spaziergang entlang der Fulle, die eigentlich „Fulda“ heißt und von einer idyllischen, tiefgrünen Uferlandschaft umgeben ist. Schneider ist durch und durch Kasselanerin und versteht es, mit ihrer Begeisterung anzustecken. Zum Beispiel auch Engel: „Ich entdecke immer wieder aufs Neue tolle Ecken in Kassel. Eine Ahle Wurscht habe ich natürlich auch schon probiert und mich von den Kunstwerken der documenta aus den vergangenen Jahren inspirieren lassen.“ Und tatsächlich: Ob man durch die Innenstadt über die älteste Fußgängerzone Deutschlands oder entlang der 1,5 Kilometer langen Kaskadenanlage in Richtung Herkules-Statue flaniert – überall begegnet man modernen Kunstwerken. „Deshalb gibt es in Kassel auch den geflügelten Spruch ‚notfalls ist es Kunst‘. Das gilt für vieles, was man nicht direkt einer bestimmten Sparte zuordnen kann“, klärt Schneider auf. Es gibt aber auch Künstler, die zu ihrem Kunstwerk gleich noch eine Anekdote dazuerfinden, um es besser in die Stadt und ihre Geschichte zu integrieren. So war es zum Beispiel bei der berühmten „Spitzhacke“, ein Überbleibsel der documenta 7, die im Jahr 1982 stattfand. Inspiriert von der Herkules-Figur, die hoch oben auf dem Stadtberg thront, wies der amerikanische Künstler Claes Oldenburg die zwölf Meter hohe und fünf Tonnen schwere Werkzeugnachbildung dem griechischen Halbgott zu und erfand auch gleich die passende Geschichte: Herkules habe sie an das Ufer der Fulle geschleudert, wo sie sich in die Erde bohrte und ihr Stiel seitdem in Richtung der Statue zeigt.
Stephan Engel und Tanja Schneider am Grottenbauwerk rund um das Oktogon

Teil der Kunst

Auch in der Galeria Kaufhof begegnet man individuellen Kunstwerken. „Wir haben uns gefragt, wie wir uns als Filiale mit der documenta identifizieren können“, sagt Engel. „Deshalb haben wir die Mitarbeiter unter dem Motto ‚Kunst trifft Galeria Kaufhof Kassel‘ dazu eingeladen, mit ihren eigenen Kunstwerken selbst Teil der documenta zu werden“, erzählt er. So entstand die Idee, bei einer After-Work-Party in der Skylounge Floor 14 auf dem Parkhausdach der Filiale Sitzbänke zu gestalten. Die Kunstwerke stehen seit der Fertigstellung in vielen Abteilungen im ganzen Haus und sind für die Kunden Blickfang und Sitzmöglichkeit zugleich. „Wenn mein Team Freude an der Arbeit hat, dann haben die Kunden auch Freude an uns“, lautet Engels Devise, mit der er die rund 200 Mitarbeiter immer wieder motiviert. Auch die Kooperation mit der Kunsthochschule war ein wichtiger Beitrag zur documenta 14, die knapp 25 Prozent mehr Besucher in die Filiale lockt. Im Durchschnitt sind es etwa 250.000 pro Monat – zu „normalen“ Zeiten. „Vier Fenster direkt am Eingang Obere Königsstraße zeigten über einen Zeitraum von hundert Tagen Kunstwerke von Studierenden. Dazu gehörten die verschiedensten Kunstformen wie Video-Installationen und eine Pop-up-Galerie mit Café und Bar im sogenannten Fenster neun, die sich schnell zum angesagten Treffpunkt der Kasseler Kunstszene entwickelte.
Blick auf Kassel von der Aussichtsplattform unterhalb der Herkules-Statue aus

Über allem thront Herkules

„Wirklich weit ist innerhalb Kassels eigentlich keine Strecke“, weiß Schneider, die die Stadt wie ihre Westentasche kennt. Von der quirligen Innenstadt aus geht es in nur wenigen Autominuten zum Bergpark Wilhelmshöhe mit seinem märchenhaften Schloss, vorbei an den sich über den gesamten Stadtberg erstreckenden Kaskaden. Die berühmten Kasseler Wasserspiele sind hier eine beliebte Attraktion für Besucher wie Einheimische. Dabei sprudeln etwa 1.200 Kubikmeter Regen- und Schmelzwasser allein mit dem natürlichen Wasserdruck über die symmetrisch angelegten Wasserfälle der barocken Anlage von der Teufelsbrücke über den sogenannten Steinhöfer Wasserfall. Schließlich münden sie in den Schlossteich, wo dann eine 52 Meter hohe Fontäne den krönenden Abschluss dieses Naturschauspiels bildet. Eine traumhafte Kulisse, die auch Einheimische wie Schneider immer wieder aufs Neue begeistert. „Egal, wie oft man die Wasserspiele schon gesehen hat, es lohnt sich immer wieder. Besonders schön ist das Spektakel in den Abendstunden mit Beleuchtung“, schwärmt sie.

Hätten Sie’s gewusst?

  • Seit 1999 trägt Kassel den offiziellen Titel „documenta-Stadt“. Alle fünf Jahre (ursprünglich alle vier) findet hier die weltweit bedeutendste Reihe von Ausstellungen für zeitgenössische Kunst statt.
  • Der regionale Dialekt ist „Kasselänerisch“ und gilt als Variante des Nordhessischen. Beispiel: „alszus grade uss“ bedeutet „immerzu geradeaus“.
  • Kassel war unter Staatsoberhaupt Jérôme Bonaparte Hauptstadt des Königreichs Westphalen (1807–1813).
Tanja Schneider dekoriert im Schaufenster

Unbedingt machen!

  • Nur wenige Schritte von Kassels Innenstadt entfernt liegt der Staatspark in der Karlsaue. Highlight der barocken Parkanlage ist das Orangerieschloss – die ehemalige Sommerresidenz des Landgrafen Karl.
  • Die Löwenburg liegt im Bergpark Wilhelmshöhe, der mit 2,4 km2 der größte Bergpark Europas ist. Von Weitem erscheint sie wie eine romantische Ritterburg aus dem Mittelalter, wurde aber vielmehr als barockes Lustschloss mit fürstlichen Wohnräumen konzipiert.
  • Die preisgekrönte floristische Anlage „Roseninsel“ liegt ebenfalls im Bergpark und beheimatet eine umfangreiche Rosensammlung von rund 1.000 verschiedenen Strauch-, Wild- und Kletterrosen.