Wein-Trend: Verschlüsse mit Schraubdeckel & Kunststoffkorken

Der Korken gehört zum Bild einer guten Flasche Wein einfach dazu. Zumindest ist das lange Zeit so gewesen. Heute ist das nicht mehr ganz so selbstverständlich. Mancher Einsteiger fragt sich, wie er damit umgehen soll, wenn der vermeintlich edle Wein plötzlich einen Korken aus Plastik oder einen banalen Schraubverschluss hat. Was hat es auf sich mit dem Trend zu modernen Verschlüssen?

Der traditionelle Verschluss mit einem echten Korken wird nicht aus der Weinwelt verschwinden. Der Korken ist eine uralte Erfindung aus einer Zeit, in der Materialien wie Kunststoff oder ein fest schließender Schraubdeckel technisch nicht denkbar waren. Und dennoch ist es schwer, eine Alternative zu finden, die eine Weinflasche ähnlich gut abschließt, um Reifung und Haltbarkeit zu ermöglichen. Das Naturmaterial ist einfach ideal für eine lange Reifung im Weinkeller. Die minimale Diffusion von Sauerstoff und günstige Eigenschaften für die Verarbeitung bei der Abfüllung machen den echten Korken schwer ersetzbar.

Allerdings hat auch der Korken so seine Tücken. Er darf nicht austrocknen. Deshalb müssen Weinflaschen liegend lagern. Das Naturmaterial benimmt sich auch nicht immer, wie es soll. Kleine Partikel können sich lösen und in den Wein geraten. Dann erhält der Wein eine unerwünschte Korknote. Ein trockener oder fehlerhafter Korken hat schon mancher wertvollen Flasche zum Schrecken ihres Besitzers den Garaus gemacht.

Der Hauptgrund für die Suche nach Alternativen ist aber der knappe Rohstoff. Er stammt aus der Rinde der Korkeichen, deren höchster Bestand in Portugal steht. Die dicke, weiche Rinde wird regelmäßig abgeschält und zu einem großen Teil zu Stopfen für Weinflaschen verarbeitet. Dieser Vorgang muss in den letzten Jahrzehnten immer häufiger wiederholt werden, um für Nachschub zu sorgen. Aber Korkeichen wachsen langsam. Und die Weinproduktion wächst sehr schnell. Den Bedarf an schönen, massiven Korken können die natürlichen Vorkommen schon lange nicht mehr decken. So ist echter Kork seit den Neunzigern auch ein Kostenfaktor geworden, den sich nicht jedes Weingut leisten kann und will.

Lösung gesucht: Drei Alternativen mit Vor- und Nachteilen

Die drei Möglichkeiten, einen massiven Korken zu ersetzen, sind gepresste Korken, Kunststoffpfropfen und der Schraubverschluss. Alle drei jagen vielen Weinpuristen einen Schauer über den Rücken.

Im günstigen Presskorken sind oft Zusätze enthalten, damit die Partikel zusammenhalten. Die lassen sich manchmal nur gefühlt, manchmal auch nachweislich im Weingeschmack wiederfinden. Ganz abgesehen von der Gefahr, dass der Korken zerfällt und Krümel im Wein schwimmen.

Von Kunststoffkorken sind immer wieder Berichte im Umlauf, dass der Wein zu schnell und unkontrolliert altert. Auch von unangenehmen "Plastiknoten" im Wein ist zu lesen. Regelmäßig ist die Empörung groß, wenn sich unter der Kapsel einer teuren Flasche Kunststoff verbirgt.

Ein Schraubverschluss wird generell als minderwertig und banal empfunden. Es fehlt das Ritual des Öffnens. Auch ist der richtige Verschluss einer Weinflasche mit Schraubverschluss nicht so einfach realisierbar, wie das auf den ersten Blick klingt. Die Technik ist fehleranfälliger als der Verschluss mit Stopfen und hat auch deshalb anfangs für negative Erfahrungen gesorgt.

Aber bei alledem werden die Korkeichen nicht mehr. Die gute Nachricht: Moderne Verschlussmethoden entwickeln sich und haben durchaus das Potential, neben dem Naturkorken die nötige Qualität zu erreichen. Der Trend zu Verschlüssen ohne Kork ist nichts, was der Weinliebhaber verurteilen müsste.

Kunststoffpfropfen differenziert betrachten

Kunststoffkorken sind ästhetisch nicht die schönste, denkbare Variante. Doch sie versprechen eine ideale Form, keinen Korkgeschmack und keine Lieferengpässe. Auch die Technologien und Materialien werden kontinuierlich weiterentwickelt. Verschiedene Hersteller arbeiten mit unterschiedlichen Materialien und die Resultate werden spürbar besser. Es lohnt sich daher, Weine mit Kunststoffkorken nach Anbieter zu differenzieren und der Technik auch nach früheren Reinfällen eine Chance zu geben.

Ein in der Vergangenheit oft beschriebenes Problem ist die Dichtigkeit, die gegenüber Naturkork abfällt. Dadurch bekommt der Wein zu viel Luft und ist beim Öffnen schon überaltert. Winzer und Kunden müssen in den höchsten Klassen daher noch ausreichend Erfahrungen mit der Alterung machen, bis der Kunststoffkorken so verlässliche Qualität liefert, wie man es vom Naturkork erwarten darf.


Verlässlich und leicht zu handhaben

Schraubverschlüsse sind in Übersee schon lange der maßgebliche Trend. Sie sind nicht nur für junge Weine die günstigste Lösung, mit der die Winzer auch ihren Kunden einen Gefallen tun. Schrauber sind sehr günstig und bei guter Qualität der Flaschenköpfe absolut dicht. Sie zeigen keine Tendenz, das Aroma zu verfälschen. So werden vorrangig in Australien und Neuseeland schon lange auch die höchsten Qualitäten ganz selbstverständlich mit Schraubkapsel verschlossen. Die Erfahrungen sind vielversprechend. Allerdings läuft die Reifung durch weniger Sauerstoffeintrag langsamer ab als beim Naturkorken.

Einige deutsche Spitzenwinzer haben sich schon vor einigen Jahren entschieden, ausschließlich diese Verschlussmethode zu verwenden. So entwickelt sich der Schraubverschluss zunehmend zu einer hochwertigen Alternative, die gleichberechtigt mit dem klassischen Korken auf dem Markt bestehen kann.