Weinlagerung: Vom Keller bis zum Kühlschrank

Wer Wein vollendet genießt, nimmt sich immer wieder Zeit zum Warten. Nach einigen Jahren in den tiefen Gewölben des Weinguts liegen manche Flaschen noch viele Jahre im eigenen, gut bestückten Keller. Doch nur mit den richtigen Bedingungen kann ein großes Gewächs seinen Charakter entwickeln. Lesen Sie, welche Fehler bei der Weinlagerung einem edlen Tropfen den Garaus machen!

Bei der Weinlagerung geht es um zwei Dinge: Die Entwicklung zur besten Trinkreife und die lange Haltbarkeit. Ein Unterschied besteht zwischen den Weinen, die im Stahltank gelagert wurden, und dem Ausbau im Barrique – dem traditionellen Eichenfass. Im ersten Fall stehen klare Struktur, Frische und Frucht im Vordergrund. Typischerweise reifen so die frischen Weißweine und Rosés. Aber auch manche beachtenswerten Rotweine entwickeln ihren feinen Geschmack ohne Eichenholz. Solche Weine wollen frisch und jung getrunken werden. Sie besitzen in der Regel eine kürzere Haltbarkeit und gewinnen nicht durch längere Reifung in der Flasche.

Im Barrique-Ausbau lagert der junge Wein mehrere Monate bis zu vielen Jahren in einem Fass, das klassisch aus französischer Limousin-Eiche besteht. Das Geheimnis der Fassreifung liegt in den Tanninen. Der junge Wein enthält schon Gerbstoffe, vor allem aus der Schale. Die sind eher kräftig mit deutlichen Spitzen. Sie werden von den Tanninen aus dem Eichenholz überlagert und vervollständigt. So entwickelt sich eine komplexe und harmonische Struktur, reich an Aromen und mit einer intensiven Nase. Die wichtigen Vanillenoten, Trockenfrüchte, Leder und Tabak stammen vor allem aus dem Holz. Auch die Farbe dunkelt bei der Fasslagerung deutlich nach. Diese Weine lassen sich deutlich länger aufbewahren und erreichen ihren geschmacklichen Höhepunkt oft erst nach Jahren.

Wein in der Flasche lagern

Nach der Zeit im Keller und der Abfüllung kommt die Reifung in der Flasche zu ihrer Vollendung. Auch das kann unterschiedlich viel Zeit in Anspruch nehmen. Frische, fruchtige Sorten sind meist bei der Abfüllung trinkreif. Auch viele Rotweine sind auf moderne Trinkgewohnheiten abgestellt und brauchen keine lange Lagerung. Die besten charaktervollen und komplexen Weine lassen sich aber gerne Jahre bis zur Trinkreife Zeit.

Das Lagerpotential hängt sehr von der Rebsorte ab. Spritzige, frische Weißweine möchten getrunken werden, solange die jugendliche Frische präsent ist. Verlässlich gewinnen bei langer Lagerung Rebsorten wie Syrah oder Cabernet Sauvignon. Aber auch ein Chardonnay im Barrique-Ausbau gewinnt mit der Reife. Auch, wenn viele Rotweine mehrere Jahre haltbar sind, steigt das Ausfallrisiko nach drei bis vier Jahren deutlich an. Bei einem Spätburgunder kann ein Alter über drei Jahre schon riskant sein.

Nach drei oder vier Jahren kann auch einem gehaltvollen Roten seine Harmonie und Frische abhanden kommen. Alter Wein läuft Gefahr, sich in wenig schmackhaften Essig zu verwandeln.

Bekannt für ihre lange Haltbarkeit sind sehr säurebetonte Sorten wie ein charakterstarker Riesling. Den Barrique-Weinen aus dem Bordeaux und auch Chiantis, Barolos oder einem Rioja Gran Reserva verhilft das starke Tannin zu langer Haltbarkeit. Und Weine mit besonders hohem Zuckergehalt wie Beerenauslesen konservieren sich praktisch selbst. Legendär ist die Haltbarkeit großer Süßweine. Es gibt bekannte Berichte über Sauternes von Chateau Yquem, die auch nach mehr als einem Jahrhundert noch hervorragend trinkbar waren.

Weinaufbewahrung im eigenen Keller

Wo bewahren Sie Ihre Flaschen auf? Im eigenen Weinkeller oder im Regal im Wohnzimmer? Das ist nicht nur eine Platzfrage. Wenn eine Flasche selten länger als drei Monate steht, dürfen Sie die Lagerbedingungen entspannt sehen. Wenn Sie sich aber mit dem Gedanken tragen, mehrere Flaschen eines Jahrgangs zu erwerben, der erst in vier, fünf oder mehr Jahren Trinkreife verspricht, wollen Sie die nicht auf dem Dachboden verderben lassen.

Wein will kühl, dunkel, nicht zu trocken und geruchsneutral gelagert werden. Die Temperatur sollte sich nicht außerhalb von 8 – 18° C bewegen und vor allem möglichst wenig schwanken. Das ist das wichtigste Kriterium für eine erfolgreiche Lagerung. Vor allem die natürlichen Tag-Nacht-Unterschiede können einem Wein in privater Lagerung zum Verhängnis werden. Auch trockene Luft kann ihn verderben, weil der Korken dann leicht porös wird. Aus diesem Grund wird Wein mit Naturkork nicht stehend gelagert. So kann der Korken auch von innen nicht austrocknen.

Ein gut temperierter, feuchter und isolierter Kellerraum, der selten betreten wird, ist eine kostengünstige Wahl. Für den kleinen Vorrat kann ein temperierter Weinschrank eine sinnvolle Anschaffung sein. Wer ernsthaft über den Aufbau eines persönlichen Kellers nachdenkt, sollte sich aber bereits bei der Planung vor Augen führen, dass einige hundert Flaschen keine ungewöhnliche Menge sind.